Beobachtungen am Ablaichverhalten und Variation der Eigrösse bei Hypancistrus sp. L 260 „Queen Arabesque“

von Yann Fulliquet, Lausanne, Schweiz – erschienen im BSSW Report 4-2006

(aus dem Englischen übersetzt von Stephan M. Tanner)
erhalten am 8. August 2004

L270

L270

Im September letzten Jahres kaufte ich ein Pärchen Hypancistrus sp. L 260 „Queen Arabesque“ von einem Importeur im südlichen Frankreich. Einige Monate später erwarb ich zwei weitere Exemplare – Geschlecht unbekannt – aus einer anderen Quelle und setzte sie zusammen in mein 250 Liter Becken. Die Fische gewöhnten sich gut ein und ich hoffte, sie vermehren zu können. Dazu legte ich einige aus Schieferstein gefertigte Höhlen ins Becken. Die Größe war dem Männchen angepasst, so dass er sich darin sicher fühlte.

Zu Beginn dieses Jahres war es offensichtlich, dass eines der zwei zugesellten Tiere ein Weibchen war, aber das vierte Tier konnte durch seine geringe Größe noch keinem Geschlecht zugeordnet werden. Die zwei Weibchen zeigten reges Interesse für die Höhle, wo sich das Männchen aufhielt. Sie platzierten sich immer öfter direkt vor dem Eingang. Normalerweise vertrieb das Männchen alle Loricariiden, die der Höhle zu nahe kamen. Aber er kam nie aus der Höhle raus, um die Weibchen hinein zu lassen. Wasserwechsel zu 50% jeden zweiten Tag mit 60% Umkehrosmose- und 40% Leitungswasser mit einem jeweiligen Absenken der Temperatur von 29°C auf 20°C, anstelle des wöchentlichen Wechsels, brachte keinen Erfolg. Im Gegenteil, die Weibchen versteckten sich wieder und das Männchen gab sogar zeitweise die Höhle auf. Nicht gerade das Resultat, das ich erwartet hatte. Ich entschied, die Vermehrung vorläufig auf sich beruhen zu lassen, um es später nochmals zu versuchen.

So wurden die wöchentlichen Wasserwechsel wieder eingeführt. Aber dann überraschten mich die Fische, als ich das größte Weibchen vom Männchen einklemmt in der Höhle vorfand. Zwei Tage später war es schon wieder draußen, was mich verwunderte, da bei meinem ersten Hypancistrus sp. L 28 Zuchterfolg das Weibchen mindestens fünf Tage in der Höhle verbrachte, bevor es zur Eiablage kam. Ich konnte nichts in der Höhle erkennen, so dass ich vermutete, dass entweder er oder sie noch nicht ablaichbereit waren.Während der nächsten regulären Reinigung des Beckens musste ich wohl das Männchen gestört haben, denn es verließ sie und ich entdeckte zu meinem Erstaunen 20 Eier darin. Die Eier waren deutlich kleiner als die von Hypancistrus sp. L28, welche doch bis zu 6mm Durchmesser erreichen. Bei diesem ersten L260 Gelege war der Ei-Durchmesser etwa 3 mm. Die Eier wurden künstlich erbrütet in einem schwimmenden Brutkasten unter Zuhilfenahme eines Durchlüftersteins. Nur ein Ei entwickelte sich nicht und die anderen schlüpften innert fünf Tagen. Es dauerte weitere zwei Wochen bis der Dottersack aufgebraucht war. Danach sahen die Jungtiere wie Miniaturen der Adulti aus.

In der Zwischenzeit hatte das Männchen das zweite Weibchen in der Höhle eingeklemmt und nach zwei weiteren Tagen bewachte er ein neues Gelege. Diese Eier waren mindestens einen Millimeter größer im Durchmesser als die ersten. Nachdem die Jungtiere geschlüpft waren und den Dottersack verbraucht hatten, konnte ich elf Jungtiere zu den anderen setzen.

Eine Woche später sah ich das kleinste Tier mit dem Männchen zusammen in der Höhle eingeklemmt. Offensichtlich war es auch ein Weibchen, aber wegen der geringen Größe von 5 cm hatte ich an ihrer Geschlechtsreife gezweifelt. Nach einer Woche ließ das Männchen sie aus der Höhle und er bewachte einige Eier. Diese waren ähnlich klein wie die ersten und ich war sehr zufrieden mit einem Ergebnis von sieben Jungtieren.

Interessanterweise waren die Jungtiere des zweiten Geleges bei gleichem Alter größer als die der anderen Gelege. Der Grund für die unter-schiedliche Eigrösse ist nicht bekannt. Die Populationsdichte kann dadurch sicher beeinflusst werden. Ich glaube aber, dass die Futterverfügbarkeit eine größere Rolle spielt als die bestehende Individuendichte. Vor der ersten Ablage Mitte Juli wurden die Fische stark und abwechslungsreich gefüttert. Durch die hohe Futterverfügbarkeit brauchen wohl die Jungtiere keine großen Reserven und es können mehr Eier abgelegt werden. Für das zweite Gelege war weniger Futter vorhanden, da ich während der Sommerhitze nicht zuviel füttern wollte, um Sauerstoffmangel und hohe Nitratkonzentrationen zu vermeiden. So fütterte ich nur 2-3 Mal pro Woche. Ich vermute, dass die geringere Futterverfügbarkeit größere und weniger Eier zur Folge hat, damit die Brut länger ohne zusätzliches Futter auskommt und auch weniger Konkurrenz herrscht. Diese Theorien könnten erklären, wieso die Anzahl und Größe der Eier von Gelege zu Gelege so variabel ist bei verschiedenen Züchtern, obwohl die Alttiere gleich groß sind. Während ich diesen Bericht schrieb, hat sich das größte Weibchen entschieden wieder abzulaichen. Ich konnte erkennen, dass die Eier etwas größer waren als die, die sie einige Monate zuvor abgelegt hatte. In den voraus gegangenen Wochen hatte ich sehr sparsam gefüttert. Obwohl ich sie nicht genau zählen konnte, konnte ich nur etwa 10-15 Eier ausmachen.

Ich habe einige Meinungen darüber gehört, dass Hypancistrus Kolonienbrüter sein sollen, ähnlich wie Ancistrus. Es scheint erwiesen, dass Ancistrus Männchen manchmal mehr als ein Gelege gleichzeitig pflegen. Diese können von mehreren Weibchen stammen und unterschiedlich alt sein, so dass später Eier und geschlüpfte Jungtiere gleichzeitig in der Höhle vorhanden sind. Ich bezweifle diese Theorie aber für Hypancistrus, denn ich habe dieses Verhalten nie beobachten können. Die Männchen kümmern sich jeweils nur um ein Gelege. Obwohl sich ein zweites laichbereites Weibchen nahe der Höhle aufhielt, hat er nie versucht, sie in die Höhe zu klemmen, während er schon Eier befächelte. Einige Leute haben beobachtet, dass männliche Hypancistrus zebra zwei kleine Gelege gleichzeitig befächelt haben. Ich glaube aber, dass beide vom selben Weibchen abgelegt wurden während es in der Höhle war, aber zu verschiedenen Zeitpunkten. Zeitweise erwiesen sich eines der Gelege auch als unbefruchtet. Mir ist nicht bekannt, das jemand zwei verschiedene Weibchen in kurzem Abstand mit dem Männchen in der Höhle vorgefunden hat. Es wäre interessant, wenn diese Fragen der Ei- und Jungtier-Größe, deren Anzahl sowie korrelierende Futtergaben bei Hypancistrus sowie anderen Gattungen mit relativ großen Eiern und wenig Jungtieren weiter untersucht werden könnten.

Ein Gedanke zu “Beobachtungen am Ablaichverhalten und Variation der Eigrösse bei Hypancistrus sp. L 260 „Queen Arabesque“

  1. Horst Schneider

    Hallo,

    ich halte seit Juli 2008 eine kleine Gruppe von 7 L 260, habe gerade noch die letzten L 260 hier in der Region Osnabrück bekommen können.
    Ich setzte die Tiere in ein 230 Liter Aquarium mit Endler Guppy und habe mir dabei nichts gedacht.
    Später sollten die L 260 in ein Zuchtbecken mit weichem Wasser umziehen, ich habe generell eine Wasser mit einer GH 15 und einer KH von 16.

    Dazu kam es aber nicht, denn plötzlich fand ich reichlich kleine L 260 im Becken, inzwischen habe ich bestimmt 4 Generationen im Becken schwimmen.
    Einen Wasserwechsel führe ich alle 14 Tage durch, ca. 30-40 % der Wassermenge.

    Ich lasse natürlich alles so wie es ist und freue mich über die Nachzuchten.

    Ich habe auch keine Ahnung, wieviele Männchern und Weibchen es sind.

    Mit freundlichen Grüßen
    Horst Schneider

Kommentar verfassen