Beobachtungen zur Färbung von Axelrodia riesei

von Dr. Hans Jürgen Körner, Halle – erschienen im BSSW Report 2-2003

vs02-03-01Der von GERY 1966 beschriebene Salmler Axelrodia riesei gehört nach STERBA (1987) zur Unterfamilie Cheirodontinae und ist somit den Neonfischen der Gattung Paracheirodon verwandt, denen er in Gestalt, Größe und Verhalten sehr ähnlich ist. Nach RIEHL & BAENSCH (1988) wird als deutscher Name Roter Griessalmler angegeben. Diese Bezeichnung betrachte ich aber mit Skepsis, weil der lateinische Artname auf eine Person mit Namen RIESE hinweist, der Fisch folglich „Rieses Salmler“ heißen müsste, wobei „Roter Rieses Salmler“ keineswegs eine sehr taugliche Benennung eines Aquarienfisches ist. „Tintenroter Salmler“ oder „Rote Axelrodia“ wäre sicherlich viel einprägsamer und charakteristischer als deutscher Artname. Eine ähnliche Fragwürdigkeit ist übrigens bei der deutschen Bezeichnung von Hyphessobrycon georgettae als „Georgis Tetra“ in RIEHL & BAENSCH (1996) zu verzeichnen. Statt dessen sollte für diesen Fisch der ebenfalls gebräuchliche Name „Erdbeersalmler“ verwendet werden.

Axelrodia riesei ist tatsächlich mit Ausnahme der hellen Kopf- und Bauchunterseite tintenrot gefärbt. Auf der Schwanzwurzel befindet sich ein undeutlicher dunkler Fleck und darüber ein hellroter Leuchtfleck. Die Flossen sind farblos, jedoch weisen Anale und Dorsale eine kräftig weiße Vorderkante auf. Auch im oberen und unteren Bereich der Caudale ist jeweils ein weißer Streifen vorhanden. Die Weibchen weisen eine identische Färbung auf, jedoch ist die rote Farbe geringfügig weniger intensiv. Außerdem sind sie größer als die männlichen Fische und weisen eine gerundetere Bauchpartie auf. Beim Blick von oben her wirken sie breiter als die Männchen.

Nach STERBA (1987) und RIEHL & BAENSCH (1988) kommen die Fische im Bereich des Rio Meta in Südkolumbien vor. HOHL (2002) berichtet vom Fang der Art im Rio Carrao in Venezuela.

Mir bekannte Abbildungen, z.B. in IEHL & BAENSCH (1988), zeigen diese Fische immer sehr entfärbt. Von der roten Farbe ist kaum etwas zu bemerken. Dieser Effekt soll nach STERBA (1987) und RIEHL & BAENSCH (1988) auf ungeeignete Wasserverhältnisse zurückzuführen sein. Torfgefiltertes weiches Wasser soll die Entfärbung verhindern.

Im September 2001 habe ich in einer Zoohandlung zwei Fische dieser Art erworben. Es handelte sich um die letzten Exemplare. Von der Färbung der Tiere war ich begeistert. Auf dunklem Bodengrund und in einem kleinen Artaquarium zeigten sie ihre prächtige Färbung. Bei Haltung in Regenwasser und auf dunklem schwarzen oder auch braunen Untergrund haben sie diese auch ohne Torffilterung nicht verloren. Die Fische halten Distanz zueinander. Um Schwarmfische handelt es sich nicht. Weiterhin halten sie sich sehr gern versteckt unter Pflanzen, z.B. Anubias nana, auf. Balzverhalten konnte ich das erste und einzige Mal nach ca. sechs Monaten beobachten. Die Eiablage findet am Vormittag an dicht bepflanzten Stellen statt. Zuchtversuche waren bisher erfolglos. Dem Weibchen kann man kaum ansehen ob es gelaicht hat, wahrscheinlich werden wie bei den Neonfischen sehr kleine Eier abgelegt. Möglicherweise verhalten sich die Tiere wie Dauerlaicher. Weil die Fische ihr Intimleben außerdem nur schwer beobachten lassen, muss man sie auf gut Glück nach einigen Tagen im Zuchtansatz aus dem Ansatzbecken herausfangen. Einige Jungfische habe ich zufällig in einem Aquarium erzielt, in dem ich die Alttiere ohne Zuchtabsicht gehalten und dann entfernt habe. Als ich die Tiere entdeckte, es handelte sich um drei Stück, waren sie schon einen Zentimeter groß. Unter Futtermangel litten sie nicht, weil ich Boraras in das Becken eingesetzt habe. Zwei der Jungfische wuchsen zu Männchen heran, der dritte war nach den Ferien nicht mehr aufzufinden. Unter den gegebenen Haltungsbedingungen haben sich die verbliebenen Fische prächtig rot eingefärbt, so dass sie von dem Importmännchen an der Farbe nicht zu unterscheiden sind.

Die Fütterung der Alttiere erfolgte mit gefangenen Krebstierchen sowie Grindalwürmern. Letztere sind bei diesen Fischen sehr beliebt und mit ihnen kann man sie aus ihren Versteckplätzen herauslocken. An der Wasseroberfläche schwimmendes Trockenfutter nehmen diese Salmler nicht gern an, weil sie sich in der Nähe des Bodengrundes aufhalten. Möglicherweise kann eine Schwimmpflanzendecke die Bindung an den Boden aufheben.

Gegenwärtig sind die Fische im Gesellschaftsbecken viel häufiger sichtbar, weil sie durch die Männchen neu erworbener Badis bengalensis „Scarlet“ nach einigen Streitigkeiten aus ihren Versteckplätzen vertrieben wurden und diese nicht mehr einnehmen können.

Literatur

STERBA, G. (1987): Süßwasserfische der Welt, Urania-Verlag
RIEHL, R. & BAENSCH A.H. (1988): Aquarien-Atlas Bd. 1, Mergus Verlag
RIEHL, R. & BAENSCH A.H. (1996): Aquarien-Atlas, Bd. 4, Mergus Verlag
HOHL, D. (2002): VDA-aktuell (3): 32-37

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