Wissenschaftliches

Nannostomus trifasciatus Steindachner, 1876 –
Beobachtungen an einer „Art“ über 40 Jahre
Teil 1: Einleitung, Systematik und Form A

von Helmut Dittmar, Hamburg | eingereicht: in 2010 (ursprünglich geplant als Sonderheft)

Abstract | This article in four parts is about Nannostomus trifasciatus, a member of the tribe Nannostomini of the subfamily Pyrrhulininae of the family Lebiasinidae. It is far distributed in the Amazon region and the Orinoco and Essequibo basins of South America. The „species“ varies so much in size, shape of the body and colour, so that at least three forms can be separated, that may be very near related species.

The variety A represents the Taxon N. erythrurus, that is treated as synonym of N. trifasciatus.
In variety A the primary (middle) line has nearly the double width related to the varieties B and C and is very intensive in colour. There is no red line between the primary and the secondary (upper) line.

There are obvious differences in habits between these three varieties. Variety A is less aggressive as the varieties B and C. It spawns in soft water without any problems. The author counted 82 eggs. Because of the differences in distribution, color pattern and habits he thinks, that Nannostomus erythrurus (variety A) is obviously a distinct species and not a synonym of N. trifasciatus.


 

Nannostomus trifasciatus der Form A entspricht Nannostomus erythrurus
Foto: Dieter Bork

 
1. Einleitung | In diesem vierteiligen Beitrag, der ursprünglich als Sonderheft der IG BSSW geplant war, werden die Beobachtungen des Autors an einer „Art“, die wir unter dem Namen Nannostomus trifasciatus in der Aquaristik kennen, über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren zusammengefasst.

2. Systematik und Verbreitung | Die Gattung Nannostomus wird in die Unterordnung Characoidei (Salmlerähnliche), dort in die Familie Lebiasinidae (Schlanksalmler) mit der Unterfamilie Pyrrhulininae eingeordnet. Innerhalb dieser Unterfamilie findet sie sich im Tribus Nannostomini.

2.1 Etymologie | Der Gattungsname Nannostomus setzt sich aus den beiden lateinischen Begriffen „nanus“ (der Zwerg) und „stomochus“ (der Schlund, das Maul) zusammen. Der Name Nannostomus bedeutet also „Zwergmaul“. Der Artname trifasciatus bedeutet „mit drei Längsbinden“; die entsprechende treffende deutsche Bezeichnung ist also „Dreibindenziersalmler“

2.2 Verbreitung | Die Art ist neotropisch; das Verbreitungsgebiet ist das nördliche Südamerika. Dort kommt sie im Amazonasgebiet in den Regionen mit tropischem Regenwald vor.


 
Wahrscheinliches Verbreitungsgebiet von Nannostomus erythrurus

Wahrscheinliches Verbreitungsgebiet von Nannostomus erythrurus


 
 
2.3 Artstatus | Zum Status der „Art“ Nannostomus trifasciatus sind einige Anmerkungen zu machen. Die Diskussionen um den Artbegriff, wie sie seit Jahren – berechtigterweise (siehe unter anderem Seegers, 2003: 54) – geführt werden, veranlassen mich, auf den Komplex N. trifasciatusN. cf. trifasciatusN. erythrurus hinsichtlich der unterschiedlichen Formen und des Verhaltens einzugehen. Die weite Verbreitung der unter dem Artnamen Nannostomus trifasciatus bekannten Nannostomini lässt schon vermuten, dass wir es hier nicht mit einer genau zu definierenden „Art“ zu tun haben Zu den Synonymen von N. trifasciatus siehe die Publikationen von WEITZMAN (WEITZMAN 1966: 27).

2.4 Vorkommen | Nach den Angaben in der Literatur umfasst das Vorkommen ein ungeheuer
großes Einzugsgebiet. Es erstreckt sich vom Ucayali bei Genaro-Herrera


 
Verbreitung der drei Formen in Südamerika

Verbreitung der drei Formen in Südamerika



 

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Boraras und Trigonostigma mit Rasbora synonymisiert

von Dieter Ott – erhalten am 12.11.2011

Kevin L. Tang, Mary K. Agnew, M. Vincent Hirt, Tetsuya Sado, Leha M. Schneider, Jörg Freyhof, Zorah Sulaiman, Ernst Swartz, Chavalit Vidthayanon, Masaki Miya, Kenji Saitoh, Andrew M. Simons, Robert M. Wood, Richard L. Mayden (2010):
Systematics of the subfamily Danioninae (Teleostei: Cypriniformes: Cyprinidae).
Molecular Phylogenetics and Evolution 57 (1): 189-214.

<i>Danio rerio</i> (Zebrabärbling)

Danio rerio (Zebrabärbling)

In letzter Zeit häufen sich Untersuchungen zu Fischgruppen, denen bekannte Aquarienfische angehören. Der Zebrabärbling, Danio rerio, ist ein Mitglied der Cypriniden- Unterfamilie Danioninae, die eine mannigfaltige und wissenschaftlich wichtige Fischgruppe bildet. Die o. g. Autoren weisen in ihrer Arbeit darauf hin, dass die Verschiedenartigkeit dieser Ansammlung viel wissenschaftliches Interesse auf sich gezogen hat, ihre Monophylie und die Verwandtschaftsverhältnisse ihrer Mitglieder nur wenig nachvollzogen wurden. Die phylogenetische Verwandtschaftsverhältnisse der Danioninae wurden anhand sequenzierter Daten untersucht. Eine Tabelle mit den kombinierten Zahlenwerten von 270 Taxa wurde zusammen getragen und untersucht. Das Ergebnis unterstützte einige verzerrte Schlussfolgerungen von aktuellen Untersuchungen der Gruppe und sichere Teile der traditionellen Klassifikation, aber ihre Ergebnisse widersprechen auch Schlüsselansichten dieser traditionellen Klassifkation. Die Unterfamilie Danioninae ist nicht monophyletisch mit ihren vermeintlichen Mitgliedern verstreut über die Cyprinidae. Darum beschränken die Autoren Danioninae auf die monophyletische Gruppe, die die folgenden Gattungen umfasst: Amblypharyngodon, Barilius, Cabdio, Chela, Chelaethiops, Danio, Danionella, Devario (einschließlich Inlecypris), Esomus, Horadandia, Laubuca, Leptocypris, Luciosoma, Malayochela, Microdevario, Microrasbora, Nematabramis, Neobola, Opsaridium, Opsarius, Paedocypris, Pectenocypris, Raiamas, Rasbora (einschließlich Boraras and Trigonostigma), Rasboroides, Salmostoma, Securicula und Sundadanio.

<i>Rasbora heteromorpha</i> (Keilfleckenbärbling)

Rasbora heteromorpha (Keilfleckbärbling)

Der Tribus Chedrini schließt einen einzelnen Zweig ausschließlich afrikanischer Arten ein und umfasst einige Gattungen von unsicherer Monophylie (Opsarius, Raiamas, Salmostoma). Innerhalb des Tribus Rasborini stellt sich die artenreiche Gattung Rasbora nicht-monophyletisch dar durch die Platzierung von zwei monophyletischen Gattungen, Boraras und Trigonostigma, weshalb die Autoren die beiden Gattungen mit Rasbora synonymisieren. Im Tribus Danionini ist die zwergenhafte Gattung Danionella als Schwesterngruppe von Danio mit Danio nigrofasciatus als Geschwister zu D. rerio entdeckt worden.

Neue „Sumo“-Schmerle

Die Zahl der Arten von Schmerlen in der Gattung Schistura nimmt ständig zu. Plongsesthee, Page & Beamish (2011) haben Schistura aurantiaca (Familie Nemacheilidae) aus dem Mae Khlong-Gewässersystem im thailändischen Tenasserim-Gebirge beschrieben. Dieses Flusssystem liegt nördlich der ichthyofaunistischen Provinz Malaya. Die neue Art wurde von den Erstbeschreibern Plongsesthee, Page & Beamish (2011) hauptsächlich aufgrund des Zeichnungsmusters definiert. Der Artname aurantiaca bedeutet etwa „orange-farben“ und bezieht sich auf die „orange bars“ des neuen Taxons. Schmerlen mit solchen Streifen (englisch „bars“) in orangefarbenen Farbtönen kennt der Aquarianer aus einer Gruppe, die als Sumo-Schmerlen bekannt sind. Angesicht der Variabilität, die viele Schistura-Arten aufweisen ist es mutig, ausschließlich anhand weicher Merkmale (wie es die variable Färbung und Zeichnung nun einmal sind) eine neue Art zu definieren. Die Originalbeschreibung mit Informationen über das Habitat ist online hier erhältlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

International Loach Conference 2010 in Prag

Im Jahr 2010 lagen zwei Veranstaltungen für Schmerleninteressierte zeitlich dicht zusammen, aber räumlich weit auseinander. Erstens: Die Jahrestagung der IG-BSSW in Mannheim vom 3.9. bis 5.9., die die Aquarianer der Regionalgruppe Rhein-Main hervorragend organisiert und durchgeführt haben. Zweitens: Vom 31.8. bis zum 3.9. fand in Prag die International Loach Conference 2010 statt.  Beide Veranstaltungen überlappten sich leicht. Annegret wollte sich fast eine Woche Prag unter Schmerlenfanatikern nicht antun, sollte aber bei der Jahresverhauptversammlung der IG-BSSW als Finanzverwalterin dabei sein. Somit fuhr ich mit dem Auto am 30.9. nach Prag, Annegret flog in der Woche zu einer Tante nach Liederbach bei Frankfurt, ich sammelte Sie – von Prag kommend – am Freitag, den 3.9. dort auf und weiter gings zur IG-BSSW-Jahrestagung und am Sonntag wieder zurück nach Frankfurt. Beide Veranstaltungen haben 2.500 Kilometer auf der Autobahn und 800 Kilometer in der Luft gelohnt. In der Hoffnung, dass sich jemand findet, der einen ausführlichen Bericht über die Jahrestagung schreibt, berichte ich hier über die International Loach Conference (ILC) 2010 (obwohl ich nicht das einzige BSSW-Mitglied dort war).

Die internationale Schmerlentagung ILC fand vor zehn Jahren das erste Mal statt, war damals noch eine reine Steinbeißer-Tagung, bei der es ausschließlich um die Biologe von Fischen aus der Familie Cobitidae (zumeist Cobitis und Sabanejewia) ging. Die diesjährige Tagung befasste sich erstmalig mit allen Schmerlen, die mittlerweile in zahlreiche Familien eingeteilt werden: Balitoridae (Plattschmerlen), Nemacheilidae (Bachschmerlen), Ellopostomatidae (Schlürfschnuten), Cobitidae (Steinbeißer), Vaillantellidae (Langflossenschmerlen), Botiidae (Prachtschmerlen), Gyrinocheilidae (Saugschmerlen) und Catostomidae (Wimpelschmerlen). Petr Ráb begrüßte fast hundert Teilnehmer, die von Weltweit zwischen Tokio und Flensburg, Moskau und Singapur – angereist waren. Dreißig Vorträge und ebenso viele Posterpräsentationen waren in der Tagungssprache Englisch zu bewältigen.

Den ersten Hauptvortrag hielt Kenji Saitoh aus Yokohama, Japan über die Biogeogeografie und die stammesgeschichtliche Einordnung der Schmerlen (Cobitoidea) innerhalb der Karpfenfische (Cypriniformes), wobei die Zuhörer immer wieder die Ermahnung zu hören bekamen, keinem einzelnen (molekulargenetischen) Stammbaum zu trauen („don’t trust a particular tree“). Zurecht wies Saitoh darauf hin, dass die „trees“ natürlich von der molekulargenetischen Methode einerseits und der mathematischen Auswertung andererseits abhingen und deshalb stets im Zusammenhang mit biogeografischen, ökologischen und morphologischen Befunden zu interpretieren sind. Das hat den zweiten Hauptvortragenden Maurice Kottelat aus Cornol in der Schweiz dazu bewogen, in seiner Präsentation über Schmerlenvielfalt auf Endungen wie „-idae, -inae, -ini“ gleich ganz zu verzichten; seinem Plädoyer für eine exaktere morphologische Nomenklatur der Boti-. Nemacheili-, Balitori- und so weiter kann man nur zustimmen. Der Vortrag des „Godfather of Loaches“ (so der Chairman Jörg Freyhof) informierte darüber, dass bald die tausendste valide Schmerlenart beschrieben sein dürfte, wobei etliche unbeschriebene Arten bereits in den Regalen von Sammlungen und Museen stehen. Somit war es nur konsequent, dass der dritte Hauptvortrag von Heok-Hui Tan aus Singapore sich mit der Vielfalt und Spezialisierung von Plattschmerlen (Balitoridae) befasste, der den Formenreichtum dieser Fischgruppe und die Schwierigkeiten ihrer Erfassung betonte. Die rätselhaftesten Schmerlen stammen alle aus Südostasien: Barbucca, Ellopostoma, Serpenticobitis und Vaillantella; fast alle sind schon im BSSW-Report vorgestellt worden (Kühne & Ott 2010, Seidel 2010).

Die einzelnen Vorträge und Posterpräsentationen spannten den Bogen von Studien über die Ökologie von Schmerlen in der Natur, zahlreichen molekulargenetischen Untersuchungen und die Wiederentdeckung verschollen geglaubter Arten, der Beschreibung neuer Gattungen (Microcobitis) bis zur praktischen Identifizierung von Individuen für faunistische oder ethologische Forschungen. Dazu haben auch BSSW-Mitglieder beigetragen (Hoyer 2010, Ott 2010).

Einer von vielen Vorträgen

Jörg Bohlen (der auch Mitglied der IG BSSW ist) hat zusammen mit seiner Frau Vendula Šlechtová und Petr Ráb (alle vom Institute of Animal Physiology and Genetics der Academy of Sciences of the Czech Republic in Libechov eine wichtige und inspirierende Tagung organisiert. Auf die nächste dürfen sich „cobitoideophiles“ und „loachaholics“, also Schmerlenfreaks, schon freuen.

Weitere Bilder von Milan Petrtýl hier.

Literatur:

Bohlen, J.; Ráb, P. & L. Kalous (2010): International Loach Conference 2010. Book of Abstracts. Prague, Czech Republic, 98 pp. – Hoyer, R. (2010): Schmerlen in Myanmar – ergänzende Bemerkungen.  BSSW-Report 22 (3), 7-22. – Kühne, J. & G. Ott (2010): Ellopostoma mystax, eine seltene Schmerle (Cobitoidea, Ellopostomatidae).  BSSW-Report 22  (2), 16-21. – Ott, G. (2001): Einige Erläuterungen zu dem Beitrag  Die systematische Stellung der Gattung Serpenticobitis.  BSSW Report 13(1):11-15. – Ott, G. (2010). Redescription of Homaloptera ripleyi (Fowler, 1940) from Sumatra, Indonesia (Teleostei: Balitoridae). Bull. Fish Biol. [in print].

Literatursuche

Hallo in die Runde,

hat jemand (oder kennt jemand, der jemanden kennt), der eine Kopie folgender Literaturstelle verfügbar machen könnte?
Sauvage, H. E. (1878): – Note sur quelques Cyprinidae et Cobitidae d’espèces inédites, provenant des eaux douces de la Chine. – Bull. Soc. Philomat., Paris, 7: 86-90.

Hey there,
is there anybody who has a copy (or knows somebody who knows somebody) having a copy of this paper:
Sauvage, H. E. (1878): – Note sur quelques Cyprinidae et Cobitidae d’espèces inédites, provenant des eaux douces de la Chine. – Bull. Soc. Philomat., Paris, 7: 86-90.

Gerhard