Schmerlen

Weitere Schmerlen in Myanmar – Teil 2: Von Hsipaw nach Magwe

von Dr. Rainer Hoyer, Leipzig, erhalten am 17.09.2012
Auf dem Rückweg von Hsipaw nach Mandalay bogen wir in der Stadt Kyaukme in Richtung Mogok ab. Unser Fahrer Tan Thun sagte uns schon, dass wir nicht bis Mogok fahren könnten, denn dort sei Sperrzone. Ähnliches hatte uns bereits Tin Win in Yangon mitgeteilt. Wir wollten einfach so weit fahren, wie es möglich sein würde. Bereits nach 15 Kilometer stießen wir auf einen interessanten Bach (Abb. 1) mit kristallklarem Wasser. Er war recht flach, durchsetzt mit einzelnen Kolken, floss jedoch ziemlich rasch. Er hatte eine Breite von ungefähr 20 Metern und zeigte einen grobkiesigen Untergrund, durchsetzt mit zahlreichen größeren, rund geschliffenen Steinen und Felsbrocken.

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Zuchtprogramm: Yaoshania pachychilus – Panda Schmerle

erhalten am 13.05.2013, von Hans Beiderbeck

Die Webseite my-fish.org hat in Zusammenarbeit mit Aquarium Dietzenbach ein Zuchtprogramm für die Pandaschmerle ins Leben gerufen. Dabei werden mehrere Zuchtgruppen verlost, um die man sich bewerben kann. Näheres findet man hier:

http://my-fish.org/zuchtprogramm/zuchtprogramm-aktion/

Nachwuchs bei Homaloptera sp. „Ketambe“

Im Jahre 2003 sammelten Dirk Dettmers und Gerhard Ott in Nord-Sumatra die seit der Erstbeschreibung nach einem einzigen Exemplar im Jahre 1940 durch H. W. Fowler nicht wieder aufgetauchte Homaloptera ripleyi. Darüber wurde im BSSW sowie in aquaristischen und fischkundlichen Publikationen berichtet (Ott 2009, 2012). Erst im Jahre 2011 konnte Gerhard den Typusfundort (River Goepang bei Meloewak, Aceh, Sumatra, Indonesien) besuchen. Auf dem Weg dorthin wurde auch im Sungai Alas bei Ketambe Fische, u.a. Homaloptera gesammelt.

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Neue „Sumo“-Schmerle

Die Zahl der Arten von Schmerlen in der Gattung Schistura nimmt ständig zu. Plongsesthee, Page & Beamish (2011) haben Schistura aurantiaca (Familie Nemacheilidae) aus dem Mae Khlong-Gewässersystem im thailändischen Tenasserim-Gebirge beschrieben. Dieses Flusssystem liegt nördlich der ichthyofaunistischen Provinz Malaya. Die neue Art wurde von den Erstbeschreibern Plongsesthee, Page & Beamish (2011) hauptsächlich aufgrund des Zeichnungsmusters definiert. Der Artname aurantiaca bedeutet etwa „orange-farben“ und bezieht sich auf die „orange bars“ des neuen Taxons. Schmerlen mit solchen Streifen (englisch „bars“) in orangefarbenen Farbtönen kennt der Aquarianer aus einer Gruppe, die als Sumo-Schmerlen bekannt sind. Angesicht der Variabilität, die viele Schistura-Arten aufweisen ist es mutig, ausschließlich anhand weicher Merkmale (wie es die variable Färbung und Zeichnung nun einmal sind) eine neue Art zu definieren. Die Originalbeschreibung mit Informationen über das Habitat ist online hier erhältlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Serpenticobitis sp. im Aquarium

Serpenticobitis sp.

Serpenticobitis sp.

Durch die freundliche Lieferung über unser Mitglied Ingo Seidel (der bei aqua global arbeitet) erhielt ich einen Trupp Serpenticobitis. Es sollte sich um S. octozona handeln; vermutlich ist es jedoch eine bisher unbeschriebene Art dieser kleinen Gattung.
Serpenticobitis sind Schmerlen mit Merkmalen, die irgendwo zwischen Cobitidae, Nemacheilidae und Balitoridae stehen. Im BSSW-Report wurde darüber vor längerer Zeit berichtet: Nalbant, T. T. (2001): Die systematische Stellung der Gattung Serpenticobitis (Pisces: Ostariophysi: Cobitoidea).  – BSSW-Report 13  (1), 8-11. und Ott, G. (2001): Einige Erläuterungen zu dem Beitrag  Die systematische Stellung der Gattung Serpenticobitis.  – BSSW Report 13  (1), 11-15. Das Verhalten im Aquarium ähnelten Schmerlen aus der Gattung Schistura, aber nicht so aggressiv untereinander wie einige Vertreter dieser Gattung.  Die Wildfänge sind verhältnismäßig scheu. Auch in der Natur leben Serpenticobitis sehr versteckt im Lückensystem zwischen Steinen und Felsen meist von Fließgewässern. Mit Netzen sind sie fast nicht zu fangen. Elektrofischen ist das Mittel der Wahl oder Schnorcheln mit kleinen Handnetzen.

Gastromyzon viriosus

Von der Fa. Wussow-Importe sind Gastromyzon viriosus aus Borneo zu erhalten.

Diese Flossensauger zeigten nach bisherigen Aquarienerfahrungen Verdauungsprobleme und Ausfälle, besonders wenn der Anteil an tierischem Eiweiß hoch war. (Zum Vergleich: Bei G. scitulus u.a. Arten gab es mit  Futter nach dem Motto „rote Mückenlarven satt“ nie Probleme; meine ältestens Gastromyzoniden pflege ich seit neun Jahren.

Erstaunlich: Bisher haben die G. viriosus als einziges Futter bisher „JBL Gastromyzon viriosus – ein Vegetarier?NovoGarnoVert Mini“ akzeptiert; abgesehen von Aufwuchs im Becken, der abgeweidet wird, ohne das man kontrollieren könnte, was sonst noch gefressen würde.

Interessant auch: die Gruppe von rund 20 Tieren verhält sich sozialer als anderen Gastromyzoniden, die ich bisher pflegte. Nachts zum Beispiel sammeln sich die Tiere an einer Stelle, um gemeinsam zu schlafen. Tagsüber verteilen sie sich wieder.

Wenn weitere Erfahrungen mit der Art vorliegen, wird darüber berichtet.

Gerhard

International Loach Conference 2010 in Prag

Im Jahr 2010 lagen zwei Veranstaltungen für Schmerleninteressierte zeitlich dicht zusammen, aber räumlich weit auseinander. Erstens: Die Jahrestagung der IG-BSSW in Mannheim vom 3.9. bis 5.9., die die Aquarianer der Regionalgruppe Rhein-Main hervorragend organisiert und durchgeführt haben. Zweitens: Vom 31.8. bis zum 3.9. fand in Prag die International Loach Conference 2010 statt.  Beide Veranstaltungen überlappten sich leicht. Annegret wollte sich fast eine Woche Prag unter Schmerlenfanatikern nicht antun, sollte aber bei der Jahresverhauptversammlung der IG-BSSW als Finanzverwalterin dabei sein. Somit fuhr ich mit dem Auto am 30.9. nach Prag, Annegret flog in der Woche zu einer Tante nach Liederbach bei Frankfurt, ich sammelte Sie – von Prag kommend – am Freitag, den 3.9. dort auf und weiter gings zur IG-BSSW-Jahrestagung und am Sonntag wieder zurück nach Frankfurt. Beide Veranstaltungen haben 2.500 Kilometer auf der Autobahn und 800 Kilometer in der Luft gelohnt. In der Hoffnung, dass sich jemand findet, der einen ausführlichen Bericht über die Jahrestagung schreibt, berichte ich hier über die International Loach Conference (ILC) 2010 (obwohl ich nicht das einzige BSSW-Mitglied dort war).

Die internationale Schmerlentagung ILC fand vor zehn Jahren das erste Mal statt, war damals noch eine reine Steinbeißer-Tagung, bei der es ausschließlich um die Biologe von Fischen aus der Familie Cobitidae (zumeist Cobitis und Sabanejewia) ging. Die diesjährige Tagung befasste sich erstmalig mit allen Schmerlen, die mittlerweile in zahlreiche Familien eingeteilt werden: Balitoridae (Plattschmerlen), Nemacheilidae (Bachschmerlen), Ellopostomatidae (Schlürfschnuten), Cobitidae (Steinbeißer), Vaillantellidae (Langflossenschmerlen), Botiidae (Prachtschmerlen), Gyrinocheilidae (Saugschmerlen) und Catostomidae (Wimpelschmerlen). Petr Ráb begrüßte fast hundert Teilnehmer, die von Weltweit zwischen Tokio und Flensburg, Moskau und Singapur – angereist waren. Dreißig Vorträge und ebenso viele Posterpräsentationen waren in der Tagungssprache Englisch zu bewältigen.

Den ersten Hauptvortrag hielt Kenji Saitoh aus Yokohama, Japan über die Biogeogeografie und die stammesgeschichtliche Einordnung der Schmerlen (Cobitoidea) innerhalb der Karpfenfische (Cypriniformes), wobei die Zuhörer immer wieder die Ermahnung zu hören bekamen, keinem einzelnen (molekulargenetischen) Stammbaum zu trauen („don’t trust a particular tree“). Zurecht wies Saitoh darauf hin, dass die „trees“ natürlich von der molekulargenetischen Methode einerseits und der mathematischen Auswertung andererseits abhingen und deshalb stets im Zusammenhang mit biogeografischen, ökologischen und morphologischen Befunden zu interpretieren sind. Das hat den zweiten Hauptvortragenden Maurice Kottelat aus Cornol in der Schweiz dazu bewogen, in seiner Präsentation über Schmerlenvielfalt auf Endungen wie „-idae, -inae, -ini“ gleich ganz zu verzichten; seinem Plädoyer für eine exaktere morphologische Nomenklatur der Boti-. Nemacheili-, Balitori- und so weiter kann man nur zustimmen. Der Vortrag des „Godfather of Loaches“ (so der Chairman Jörg Freyhof) informierte darüber, dass bald die tausendste valide Schmerlenart beschrieben sein dürfte, wobei etliche unbeschriebene Arten bereits in den Regalen von Sammlungen und Museen stehen. Somit war es nur konsequent, dass der dritte Hauptvortrag von Heok-Hui Tan aus Singapore sich mit der Vielfalt und Spezialisierung von Plattschmerlen (Balitoridae) befasste, der den Formenreichtum dieser Fischgruppe und die Schwierigkeiten ihrer Erfassung betonte. Die rätselhaftesten Schmerlen stammen alle aus Südostasien: Barbucca, Ellopostoma, Serpenticobitis und Vaillantella; fast alle sind schon im BSSW-Report vorgestellt worden (Kühne & Ott 2010, Seidel 2010).

Die einzelnen Vorträge und Posterpräsentationen spannten den Bogen von Studien über die Ökologie von Schmerlen in der Natur, zahlreichen molekulargenetischen Untersuchungen und die Wiederentdeckung verschollen geglaubter Arten, der Beschreibung neuer Gattungen (Microcobitis) bis zur praktischen Identifizierung von Individuen für faunistische oder ethologische Forschungen. Dazu haben auch BSSW-Mitglieder beigetragen (Hoyer 2010, Ott 2010).

Einer von vielen Vorträgen

Jörg Bohlen (der auch Mitglied der IG BSSW ist) hat zusammen mit seiner Frau Vendula Šlechtová und Petr Ráb (alle vom Institute of Animal Physiology and Genetics der Academy of Sciences of the Czech Republic in Libechov eine wichtige und inspirierende Tagung organisiert. Auf die nächste dürfen sich „cobitoideophiles“ und „loachaholics“, also Schmerlenfreaks, schon freuen.

Weitere Bilder von Milan Petrtýl hier.

Literatur:

Bohlen, J.; Ráb, P. & L. Kalous (2010): International Loach Conference 2010. Book of Abstracts. Prague, Czech Republic, 98 pp. – Hoyer, R. (2010): Schmerlen in Myanmar – ergänzende Bemerkungen.  BSSW-Report 22 (3), 7-22. – Kühne, J. & G. Ott (2010): Ellopostoma mystax, eine seltene Schmerle (Cobitoidea, Ellopostomatidae).  BSSW-Report 22  (2), 16-21. – Ott, G. (2001): Einige Erläuterungen zu dem Beitrag  Die systematische Stellung der Gattung Serpenticobitis.  BSSW Report 13(1):11-15. – Ott, G. (2010). Redescription of Homaloptera ripleyi (Fowler, 1940) from Sumatra, Indonesia (Teleostei: Balitoridae). Bull. Fish Biol. [in print].

Internationale Schmerlen Konferenz 2010

Vom 30. August bis zum 2. September 2010 findet in Liblice, Tschechische Republik eine internationale Schmerlenkonferenz statt. Die Leitung erfolgt durch Petr Ráb und Jörg Bohlen.

Eine kurze Korrespondenz mit JB duch den Koordinator Schmerlen hat ergeben, daß die Konferenz erwartungsgemäß einen sehr starken wissenschaftlichen Fokus hat. Ein großer Schwerpunkt werden sicher die Beiträge zur Systematik/Genetik der Schmerlen sein, was potentiell auch Konsequenzen für die Aquaristik hat. Evtuell ergeben sich neue Namen für unsere Fische. Beiträge zur Ökologie werden auch erwartet, jedoch in geringerem Umfang. Es gibt bereits Zusagen von Maurice Kottelat fuer die Nemacheilidae und Heok Hui Tan fuer die Balitoridae, was vermutlich alleine schon die Reise wert ist.

Allerdings werden wohl wirklich nur die Hardcore-Freaks unter den aquaristischen Schmerlenfreunden angesprochen.

Das Programm kann in Zukunft auf folgender Webseite eingesehen werden:  http://loachconference2010.webnode.cz/

Die Ergebnisse der Konferenz sollen als Sonderheft der Zeitschrift Folia Zoologica erscheinen.  Aus BSSW-Sicht sehr ungünstig ist natürlich die zeitliche Nähe zur Jahrestagung der IG-BSSW 3.9. – 5.9.2010.

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