Ein fast vergessener Klassiker – Hyphessobrycon heterorhabdus (Ulrey, 1894)

von Stefan K. HETZ, Berlin – Erschienen im BSSW-Report 2-2009

Hyphessobrycon heterorhabdus, der Dreibandsalmler

Hyphessobrycon heterorhabdus, der Dreibandsalmler

Hyphessobrycon heterorhabdus stand seit meiner Kindheit – und das ist schon eine geraume Zeit her – auf meiner Wunschliste. Seit ich im Alter von 14 Jahren die Art einmal auf dem Einband eines kleinen Büchleins (JOCHER 1968) gesehen hatte, wusste ich, dass ich diesen Fisch irgendwann einmal haben (und züchten) wollte. Nun bin ich ein recht geduldiger Mensch; keiner der „dringend“ irgendeine Art sucht und dafür Hunderte von Kilometern zurücklegt. Oft löst sich das Problem ganz von allein, auch wenn es, wie bei H. heterorhabdus, mehr als zwanzig Jahre dauert.

Die Salmlerart wurde schon vor mehr als 110 Jahren beschrieben (ULREY 1894). Aber erst etliche Jahre später (ARNOLD 1939) wurde die Art gesammelt und für die Aquaristik verfügbar gemacht, obwohl H. heterorhabdus nach Aussagen von Eggeling schon um 1905 in Hamburg eingeführt worden sein soll (EGGELING 1956). In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Art dann dauernd im Standardangebot des Aquaristikfachhandels zu finden, obwohl ihre Nachzucht als schwierig galt (NACHSTEDT und TUSCHE 1950, VOGT 1959, JOCHER 1968). Wie auch immer, in den späten 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts waren keine Tiere mehr im Handel zu bekommen, auf jeden Fall nicht in Ober- und Mittelfranken. Auch die deutschen Bezeichnungen für den Fisch waren nicht immer einheitlich. Von „Flaggensalmler“ über „falscher“ und „echter Ulrey“ (nach dem Erstbeschreiber) bis hin zum mittlerweile gebräuchlichsten Namen „Dreibandsalmler“ war alles vertreten.

Ausschnitt aus einer größeren Gruppe von Hyphessobrycon heterorhabdus

Ausschnitt aus einer größeren Gruppe von Hyphessobrycon heterorhabdus

Die Firma aqua-global in Seefeld importierte vor ungefähr sechs Jahren Wildfänge von H. heterorhabdus als H. amapaensis. Ich und auch weitere Aquarianer (Grossklaus, Schneider) in Berlin übernahmen dennoch kleinere Gruppen der hübschen Tiere; die Nachzucht gelang jedoch keinem von uns und die Tiere waren nach ein paar Jahren wieder verschwunden. Ich bekam nun meine lang ersehnten Nachzuchttiere endlich vor ein paar Jahren von Kurt Mack, als der zusammen mit ein paar weiteren Aquarianern die Firma aqua-global in Seefeld besuchte. Ursprünglich wollte mir Kurt nur H. amapaensis mitbringen, eine Art, auf die ich seit deren Erstbeschreibung (ZARSKE und GÈRY 1998) scharf war, aber auch da lange warten musste.

Von beiden Arten bekam ich von Kurt Mack tadellose junge Tiere, die ich ein paar Monate später (im Winter) zur Zucht ansetzte. Ohne Probleme gelang die Zucht fast auf Anhieb in einem Zuchtbecken mit Laichrost aus einer gelöcherten und genau eingepassten PVC-Platte und ein wenig Javamoos als Laichsubstrat. Seitdem schwimmen die Tiere in meinen Aquarien. Ab und zu interessiert sich jemand für die Tiere, dann gebe ich eine kleine Gruppe ab und ziehe kurz darauf wieder Tiere nach.

Die Fische werden bis ca. fünf Zentimeter groß und sind recht gut in einer kleineren Gruppe von 8 bis 15 Tieren zu pflegen. Außer ein paar kleineren Geplänkeln der Männchen untereinander sind sie recht friedlich und ich vergesellschafte sie deshalb gerne mit einigen scheueren Zwergbuntbarschen. Man kann sie mit den gebräuchlichen Futtersorten ernähren, zum Laichansatz bekommen sie Lebendfutter, weshalb ich sie auch meistens im Herbst oder Winter zur Zucht ansetze. Zur Zucht setze ich die Fische in reinem Umkehrosmosewasser oder in einem Gemisch von drei Teilen Umkehrosmosewasser und einem Teil Leitungswasser in einer kleinen Gruppe von 2,3 bis 5,5 in einem wie schon oben erwähnten 30er Zuchtbecken an.

Manchmal gebe ich auch noch einen Erlenzapfen und einen Milliliter einer stark verdünnten Jod/Jodkali-Lösung zu. Schon am nächsten Tag hat mindestens ein Weibchen Eier abgelegt. Wenn es mal nicht gleich klappt: Nach einem weiteren Tag sind sicher Eier da. Die Jungfische schlüpfen schon recht bald (nach ~24 h). Ich füttere sie mit Paramecien und Mikro an und schon nach spätestens weiteren fünf Tagen nehmen die Jungfische frisch geschlüpfte Artemia. Auch ältere Fische bringen noch gute Nachzuchtergebnisse und von Laichverhärtung und besonderer Empfindlichkeit der Jungfische kann ich hier nicht berichten.

Dass sich H. heterorhabdus doch nach wie vor recht großer Beliebtheit im Hobby erfreut, habe ich auf der Berliner Heim, Tier und Pflanze Messe erleben können. Ich hatte ca. 60 Tiere in drei Aquarien zusammen mit diversen Apistogramma-Arten ausgestellt und hatte fast den Eindruck, die Salmler waren interessanter als die Zwergbuntbarsche. Auf jeden Fall wurden die Fische nach der Messe alle an interessierte Aquarianer abgegeben.

Nun schwimmen noch ca. 50 erwachsene Tiere in meine Aquarien und Ende des Jahres werde ich wohl bald wieder eine Brut aufziehen müssen, um den Bestand in meinen Aquarien zu erhalten.

Literatur

Arnold, J. P. (1939). Ergebnisse einer Sammelexpedition nach dem mittleren Amazonenstrom. Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde 39: 49-51.

Eggeling, H.-H. (1956). Hyphessobrycon heterorhabdus (Ulrey) der Dreibandsalmler. Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift (DATZ) 9 (1): 1-2.

Jocher, W. (1968). Problemfische II. Stuttgart: Kosmos-Verlag, Franckh´sche Verlagshandlung; 65 Seiten.

Nachstedt, J. und Tusche, H. (1950). Züchterkniffe I. Stuttgart: Alfred Kernen Verlag; 47 Seiten.

Ulrey, A. B. (1894). Preliminary descriptions of some new South American Characinidae. American Naturalist 28 (331): 610-611.

Vogt, D. (1959). Salmler II. Stuttgart: Alfred Kernen Verlag; 48 Seiten.

Zarske, A. und Géry, J. (1998). Hyphessobrycon amapaensis spec. nov., eine neue und mutmassliche Stellvertreterart von Hyphessobrycon heterorhabdus (Ulrey, 1894) aus dem Bundesstaat Amapa in Brasilien (Teleostei: Characiformes: Characidae). Zoologische Abhandlungen (Dresden) 50 (1): 19-26.

2 Gedanken zu “Ein fast vergessener Klassiker – Hyphessobrycon heterorhabdus (Ulrey, 1894)

  1. Volker Libuda

    Mir machen die Tiere auch unheimliche Freude, ein (hoffentliches) Pärchen sitzt im V-Becken, mal schauen.

    Das ausgeprägte Schwarmverhalten der Fische (nur bei mir?) möchte ich noch betonen, dabei aber kaum zu verschrecken, immer an der Frontscheibe, egal was gerade los ist.

    Und bitte den Hinweis auf die Verwechselung mit H. amapaensis ernst nehmen, da sind auch hier im BSSW noch Missverständnisse unterwegs.

  2. skhetz

    Hi Volker,

    schön, das die Tiere Dir Freude machen. Die Erfahrung der letzten Wochen hat gezeigt, dass die Art doch ein Potenzial hat, wieder zum Dauergast in den Aquarien zu werden.

    beste Grüße

    Stefan

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