Gruppe Salmler

von Stefan K. Hetz, Berlin

Die Salmlerartigen (Characiformes), auch kurz Salmler genannt, sind eine Ordnung der Knochenfische. Die Ordnung umfasst über 2000 Arten. Salmler kommen vor allem in Südamerika (ca. 80% der Arten) und in Afrika vor, was auch als biogeographischer Hinweis auf die Entstehung der Kontinente gedeutet werden kann. Weitere kleinere natürliche Vorkommen von Salmlern sind auf Mittelamerika und die südlichen Bereich von Nordamerika beschränkt. Einige Arten sollen – laut Literatur – als Neozoen auch auf anderen Kontinenten auftauchen.

Copella cf. compta

Copella cf. compta

Viele – aber bei weitem nicht alle – Arten von Salmlern sind relativ leicht an ihrer Fettflosse (Adipose) zu erkennen. Diese kleine Flosse befindet sich — falls vorhanden — kurz vor der Schwanzflosse. Die Adipose fehlt zum Beispiel Arten aus der Familie der Lebiasinidae (Schlanksalmler) und der Gasteropelecidae (Beilbauchfische). Der Besitz oder das Fehlen einer Fettfosse eignet sich deshalb als nicht als alleiniges Bestimmungsmerkmal für Salmler. Ein Merkmal — und darin sind sich alle einig — trifft aber auf alle Salmler zu: das Fehlen von Barteln, also kleinen, oft mit Rezeptoren bestückten, länglichen Auswüchsen im Maulbereich.

Salmler besitzen eine gewisse kommerzielle Bedeutung als Aquarienfische (ca. 40 Arten werden regelmäßig im Handel angeboten) und als Speisefische (ca. 10 Arten). Einige der als Speisefische genutzten Salmler-Arten, werden mittlerweile kommerziell in Fischfarmen vermehrt, wo sie wegen ihrer Schnellwüchsigkeit, ihrer guten Futterverwertung und ihres schmackhaften Fleisches wegen sehr beliebt sind. Die vielen als Aquarienfische gehandelten Arten sind meistens relativ klein (4 bis 8cm) wohingegen einige räuberische Arten durchaus Längen um 80cm erreichen können. Diese Arten stehen an der Spitze der Nahrungspyramide und so verwundert es nicht weiter, dass sich gerade auch solche Arten auf energiereiche Nahrung wie Fisch spezialisiert haben.

Hydrocynus vittatus

Hydrocynus vittatus

Salmler der Art Hydrocynus vittatus werden im nördlichen Botswana in einem langsamfliessenden Fluss, dem Chobe-River bis zu 80cm lang und stellen deshalb begehrte Angeltrophäen für Angeltouristen dar. Interessant ist das Gebiss dieses räuberischen Salmlers. Die Zähne ragen bei geschlossenem Maul über die Unter- und Oberkiefer hinaus.

Interessanterweise findet man unter den Salmlern auch echte Kleinstformen. Diese sind nicht etwa auf einzelne Familien beschränkt sondern finden sich in allen möglichen Familien wie zum Beispiel den glandulocaudinen Salmlern oder den Bodensalmlern. Einige Tiere zeigen dabei Merkmalsreduktionen, die als sogenannte pädomorphe Merkmale gedeutet werden, wie zum Beispiel fehlende Beschuppung und/oder Pigmentierung sowie fehlende oder anders ausgebildete Flossen. Viele Kleinstformen der Salmler finden sich in ausgesprochen lebensfeindlichen Biotopen, wie zum Beispiel dem Rand von Gewässern oder dem nur wenige Millimeter tiefen Wasserfilm über schwimmender Vegetation. In Bolivien konnte ich vor einem Jahr (2007) mehrere Formen von Kleinstsalmlern nachweisen — das gelang auch nur, weil ich von allen Teilnehmern der Reise, das feinmaschigste Handnetz dabei hatte — selbstgenäht von meiner Frau! Unter den Salmlern befand sich auch die abgebildetete Art. Dieser unbekannte, mit ca. 15mm ausgewachsene Salmler wurde im September 2007 in einer Lagune im Bereich den Rio St. Martin in der bolivianischen Provinz Beni gefangen. Mit Beifängen von kommerziell importierten Fischarten gelangen auch immer wieder seltenere kleine oder kleinste Salmlerarten zu uns.

Kleinstsalmler aus Bolivien

Kleinstsalmler aus Bolivien

Salmler bewohnen in den Biotopen die unterschiedlichen Wasserschichten: Bodensalmler besitzen reduzierte Schwimmblasen und können sich so nur mit Mühe und unter ständigen Flossenbewegungen in den freien Wasserschichten halten, was man auch im Aquarium beobachten kann. Im Aquarium sitzen sie aber meistens auf ihre Brustflossen gestützt auf erhöhten Stellen am Boden oder auf Pflanzenblättern und beobachten aufmerksam ihre Umgebung.

Die meisten der im Handel angeboten Salmlerarten gehören zu Bewohnern der mittleren Wasserschichten. Sie ziehen meist alleine oder in kleinen Gruppen langsam durch das Aquarium und besetzen teilweise auch kleine Reviere, die einige Arten – vor allem wenn sie laichen wollen – vehement gegen Artgenossen verteidigen.

Verhalten und Ernährung

Zu den ausgesprochenen Oberflächenbewohnern innerhalb der Salmler gehören die Vertreter der Beilbauchsalmler. Diese Tiere besitzen eine gerade Rückenlinie und halten sich meist nur wenige Millimeter unterhalb der Wasseroberfläche auf. Ihr oberständiges Maul ist besonders dazu geeignet, das Futter von der Wasseroberfläche aufzunehmen. Mit Hilfe ihrer relativ großen und – durch eine stark ausgebildete Brustmuskulatur – besonders kräftigen Brustflossen gelingt es ihnen, aktiv die Wasseroberfläche zu durchbrechen und heruntergefallenen Pflanzensamen und kleine Insekten zu erbeuten.

Carnegiella myersi

Carnegiella myersi

Acestrorhynchus sp. aus Bolivien

Acestrorhynchus sp. aus Bolivien

Von einigen Autoren wird diskutiert, dass diese Tiere aktiv fliegen können, was man sich anhand der großen Brustmuskulatur gut vorstellen kann. Interessanterweise zeigen diese Tiere Parallelen im Verhalten und in der Morphologie zu einigen anderen Salmlergruppen, wie zum Beispiel den Kropfsalmlern der Gattung Triportheus, die ebenfalls recht große Brustflossen aufweisen. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Anpassung mit dem oberflächennahen Nahrungserwerb in Verbindung stehen könnte. Gerade bei Carnegiella myersi, einer kleinen Beilbauchart, die nur nur knapp 25mm lang wird, fällt es aufgrund der Größe manchmal schwer, zum Erbeuten von Taufliegen (Drosophila) die Oberfläche des Wassers zu durchstoßen.

Die Ernährungsweise von Salmlern ist, je nach ihrer Lebensweise, recht unterschiedlich. Die sogenannten Bleistiftsalmler aus der Familie der Lebiasinidae (Schlanksalmler) bevorzugen es, den ganzen Tag über an Pflanzenteilen und Gegenständen im Wasser herumzupicken, um so ihre Nahrung aufzunehmen. Viele Salmler aus der Gruppe der Tetragonopteridae sind in der Natur sofort bei der Stelle, wenn es darum geht, potenzielle Nahrung zu erbeuten. Raubsalmler, wie zum Beispiel Arten der Gattung Acestrorhynchus, sind Lauerjäger, die relativ ruhig alleine oder in einer kleinen Gruppe im Wasser stehen und ihre Beute, die aus Fischen oder auch ins Wasser gefallenen kleinen Wirbeltieren oder Insekten bestehen kann, in einem kurzen Spurt rasch erbeuten. Die nadelspitzen Zähne des hechtförmigen Acestrorhynchus im Bild lassen erkennen, dass es sich um einen Lauerjäger handelt.

Nannostomus trifasciatus

Nannostomus trifasciatus

Als Raubsalmler wird keine systematisch abgeschossene Einheit sondern eine Gruppe von Salmlern bezeichnet, die sich vorwiegend räuberisch ernähren.

Wer sich mehr für die Biologie von Raubsalmlern interessiert, dem seien die Artikel von Kai Arendt in verschiedenen aquaristischen Zeitschriften oder besser noch, einige seiner Vorträge, ans Herz gelegt. Im Lauf der Zeit hat Kai eine ganze Menge Reisen nach Südamerika unternommen und einige Arten dort selbst kennengelernt.

Revier, Laichverhalten, Brutpflege

Mit Salmlern bringen Aquarianer nicht unbedingt die drei Begriffe in der Überschrift in Verbindung. Die meisten Salmler gelten — leider auch immer noch im Zoofachhandel — als typische Schwarmfische, die in einer Gruppe von 10 oder 20 Exemplaren gehalten werden sollen. Dass das aber nicht immer so ist, kann jeder bestätigen, der schon einmal beobachten konnte, wie die Männchen einiger Arten während der Laichzeit kleine Reviere besetzen. Bei einigen Arten ist sogar eine Brutpflege, also die Bewachung des Geleges und der frischgeschlüpften Larven, mehr oder weniger stark ausgeprägt.

Crenuchus spilurus

Crenuchus spilurus

Männliche Salmler aus der Familie der Crenuchidae, wie zum Beispiel Poecilocharax weitzmani oder Crenuchus spilurus zeigen bisweilen ein Droh- und Kampfverhalten, welches eher an das Verhalten von Cichliden als an Salmler erinnert, gerade beim Lateraldrohen zweier Männchen mit gespreizten Flossen und abgesenkten Kiemendeckeln wie im Bild.

Interessant ist auch das Brutpflegeverhalten dieser beiden Arten. Wie bei einigen Cichliden handelt es sich um Höhlenbrüter. Die Männchen bewachen die Gelege und veteidigen die Höhle – im Aquarium kann das ein Stück Kunstoffrohr oder ein Stück Bambusrohr sein – gegen Artgenossen und vermutete Fressfeinde.

Pyrrhulina zigzag

Pyrrhulina zigzag

Innerhalb der Familie der Lebiasinidae ist Brutpflege weit verbreitet. Männchen der Gattung Copella und Pyrrhulina verteidigen Reviere und stehen während der Brutpflege sogar mit den Flossen fächelnd über den Eiern. Es wurde sogar beobachtet, wie sie mit dem Maul die Eier betasten und dabei sogar unbefruchtete, verpilzte Eier entfernen wie Pyrrhulina zigzag im Bild (links das Männchen).

Eine besondere Form der Fortpflanzung stellt auch die direkte Samenübertragung dar. Jeder Aquarianer kennt die lebendgebärenden Zahnkarpfen, aber die wenigsten wissen, dass es ähnliche Formen der Begattung auch bei Salmlern gibt. Nun hat man noch keine Salmler mit Gonopodium gefunden und auch lebendgebärende Salmler sind der Wissenschaft nicht bekannt, aber der Fortpflanzungstyp einiger Salmlergruppen ist zumindest ähnlich.

Einige Salmler aus der Unterfamilie Glandulocaudinae, wie die nebenstehende Mimagoniates-Art besitzen die Möglichkeit zur Übertragung von Spermatozeugmen, also regelrechten Spermienbehältern, die bei der Begattung in die weibliche Kloake eingeführt werden und dort die Besamung der Eizellen beim Austritt aus der Geschlechtsöffnung der Weibchen sicherstellen.

Mimagoniates sp.

Mimagoniates sp.

Diese wenigen Beispiele aus der großen Gruppe der Salmler kann Ihnen nur einen sehr geringen Anteil dieser facettenreichen Fischgruppe aufzeigen. Wenn sie näher an Salmlern interessiert sind, treten Sie doch einfach in die IG BSSW ein und unterstützen Sie uns bei den Salmlern. Innerhalb der Salmlerliebhabere kommt es zu einem regen Erfahrungsaustausch und zum Austausch von Fischarten, die man nicht ohne weiteres im Handel bekommen kann. Interessiert? Dann füllen Sie doch gleich den IG BSSW-Aufnahmeantrag aus.

Eine umfassendere Übersicht über Salmler gibt die weiterführende Literatur auf dieser Webseite. Wer sich ausführlicher über die Systematik der Salmler informieren möchte und auch ein paar Bilder der Tiere angucken möchte, kann sie im Salmlernetz von Rainer Massmann finden.

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… Artikel und Literatur zu Barben.

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