Herauszüchten einer Spezies nach Kreuzung mit einer anderen Art?

Anmerkung von Stephan M. Tanner zum Artikel von H.-J. Ende, erschienen im BSSW Report 1-2005

Ohne die züchterischen Fähigkeiten von Helmut STALLKNECHT hier in Zweifel ziehen zu wollen, wäre dieser Versuch beim besten Willen praktisch zum Scheitern verurteilt. Die F1-Generation der Kreuzung zweier Arten hat je genau 50% der Gene bzw. Chromosomen der Elternarten, die auch tatsächlich schön separat verteilt sind, d.h. es gibt von jedem Chromosom – nehmen wir als Beispiel Chr. Nummer 2 – eines von jeder Art (bzw. eines von jedem Elternteil), also „nigrofasciatus 2“ und „bandula 2“; diese werden als homologe Chromosomen bezeichnet. Nun hat aber die Produktion von Keimzellen (Spermien oder Eizellen) in der Meiose zur Folge, dass vor der eigentlichen Reifeteilung durch Rekombination Teile dieser homologen Chromosomen untereinander ausgetauscht werden. Das resultierende Chromosom 2 in den Keimzellen ist somit ein „Gemisch“ von „nigrofasciatus 2“ und „bandula 2“. Diese genetische Rekombination ist zufällig und unterschiedlich von Keimzelle zu Keimzelle. Auf den ganzen Chromosomensatz (Genom) ausgeweitet bedeutet dies, dass selbst bei Rückkreuzung der F1 mit P. bandula die F2 Tiere immer noch beträchtliche Teile von P. nigrofasciatus im Genom hätten; im Mittel 25%, aber sie kann schwanken von 0-50%, was man den Tieren von außen aber nicht unbedingt ansehen kann. Man könnte theoretisch die blinde Rückkreuzung etwa ein Dutzend Mal wiederholen, aber selbst dann wäre das Resultat im Mittel immer noch nicht besser als 99.95%-Anteil von P. bandula. Das setzt aber voraus, das man immer genau diese Tiere zur Zucht nimmt, die im Mittel liegen. Aber es ist für den Züchter unmöglich, den Prozentsatz der restlichen P. nigrofasciatus Chromosomenteile festzustellen. Daher ist es praktisch unmöglich, die Kontamination einer Spezies mit einer anderen wieder komplett rückgängig zu machen. Daraus ergibt sich auch die begründete Furcht der Biologen, wenn zum Beispiel im Aquarium Standortvarianten (Bsp. Killifische) gekreuzt werden, oder fremde Standortvarianten beim Besatz von Gewässern benutzt werden. Die Felchen – wovon es Dutzende Varianten/Arten gibt – die mittlerweile europaweit bunt gemischt wurden, geben dazu ein „gutes“ Beispiel ab.

Fazit: Es ist grundsätzlich eine gute Idee, Lokalvarianten („Rassen“) und vermeintlich verwandte Fischarten nicht gemeinsam zu halten, um einer versehentlichen Bastardisierung vorzubeugen. Es ist auch dem besten Züchter kaum möglich, die Arten durch Auslese von rein morphologischen Merkmalen wieder voneinander zu trennen.

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