RG Mecklenburg: Welstreffen Negast 2009

von Ulrich MACHOLDT, Stadtroda – erhalten am 27.04.2009

Es ist Montag. Ich stehe noch ganz unter den Eindrücken, die mir das letzte Wochenende in Negast bescherte. Nachfolgend ein oberflächlicher Abriss. Wer es ausführlich erfahren möchte, sollte sich zu gegebener Zeit den BSSW Report zu Gemüte führen.

„Volle Kapelle“ war am vergangenen Wochenende im „Jagdhof“ Negast, wo wieder das „Treffen der Mecklenburger Welsfreunde“ stattfand. Bei herrlichem Frühlingswetter übrigens, das aber nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Peter Debold hatte bei der Vorbereitung wie immer hervorragende Arbeit geleistet. Bewundernswert, wie er das jedes Mal alles unter einen Hut bringt, es gibt schließlich über einen längeren Zeitraum eine Menge zu koordinieren, die eine oder andere Änderung gilt es zu berücksichtigen, wegen mitunter Unvorhergesehenem ist Improvisationsvermögen erforderlich. Peter löst diese Probleme mit unendlicher Geduld und absoluter Zuverlässigkeit. Dafür ist ihm ganz herzlich zu danken!

Von überall her reisten die Teilnehmer an, den weitesten Weg hatten sicherlich die Schweizer Welsfreunde um Ulrich Wälti, aber diese Mühe ist das Treffen auf jeden Fall wert. Es versammelten sich im Laufe des Nachmittags so nach und nach (fast) alle, die Jahr für Jahr dabei sind. Die Zimmer wurden bezogen, danach ließ man sich so recht bequem nieder, um sich erst einmal ein bisschen zu unterhalten, denn es war ja wieder ein Jahr vergangen, während dem man viele Aquarienfreunde selten getroffen hatte. Das gute Abendbrot in angeregter Konversation versetzte uns anschließend in eine gewisse gemütliche „Ausruhehaltung“… Bis Hans Evers kam. Mit großen Schritten durchquerte er das Lokal, begrüßte alle und verschwand wieder. Während wir noch so mehr oder weniger herumhingen, muss er im Saal sein Equipment installiert haben, denn nach ein paar Minuten bat uns Peter zum Vortrag.

Was dann folgte, machte alle schlagartig wieder hellwach: Knapp zwei Stunden „Sulawesi kompakt“, von und mit Hans Evers, der trotz später Stunde zu großer Form auflief. Eine Flut von Informationen zu Land, Leuten und natürlich vor allem Fischen und Wirbellosen mit Blick auf aquaristische Bedeutsamkeit. Da kommen einige Herausforderungen auf uns zu, liebe Leute, soviel ist schon mal sicher.

Das Gehörte und Gesehene wurde noch ein wenig nachbereitet, dann ging es ins Bett, denn der folgende Tag sollte ein Vortragsmarathon werden. Das ist ja immer so.

Armin Senger startete mit einem Bericht aus eigener praktischer Sicht über Nachzuchtprobleme bei Ancistrus sp. L 107. Eine begleitende Diskussion, getragen durch die Zuhörerschaft, brachte einiges Licht ins Dunkel.

Als nächstes berichtete Andreas Tanke über Details bei der erfolgreichen Nachzucht des Panaqolus sp. L 398.

Daniel Reichenstein, der sich ganz besonders intensiv mit der Gattung Spatuloricaria befasst, ergänzte seine Ausführungen vom Vorjahr, bei denen es um die letztendlich schlüssige Zuordnung des Spatuloricaria sp. „Rio Magdalena“ ging.

„Auf der Suche nach Futtertieren“ war Kai A. Quante in Sri Lanka. Mit der Wahl dieser Formulierung schlug er die Brücke von den Wirbellosen zu den Fischen, ein erfolgreicher Vermittlungsversuch…

Mit den aktuellen „Welsnews 2008/2009″ schloss sich Ingo Seidel an. Er brachte uns taxonomische Änderungen nahe, die ihn ganz offensichtlich ziemlich deprimieren. Weiterhin gab es eine Fülle von Informationen über neue Welsarten. Überdies fand Ingo die Kraft, mit Hans außerordentlich unterhaltsame „Randdiskussionen“ zu führen, satirische Einwürfe aus dem Publikum parierte er souverän. Es macht Spaß, da Zuhörer zu sein.

Einen ausführlichen und sehr interessanten Bericht über die Insel Madagaskar lieferte Gerd Eggers. Er zeigte Tiere und Pflanzen, die übrigens fast ausschließlich Endemiten sind.

Es folgte Hans‘ zweiter Streich: „Corymania- Geschichten aus dem Tropenwald“. Es handelte sich um einen Überblick über Vorkommensgebiete von Panzerwelsen, harte Daten zu den jeweiligen Gewässern, Erstfängen, und, und, und… Schwungvoll und äußerst unterhaltend vorgetragen.

Danach kam der Sturm. Der Sturm auf’s Buffet, der verdeutlichte, wie auch ein solcher Tag einen körperlich doch ganz schön fertig machen kann.

Am Abend wurde es dann sehr gesellig und sehr humorig, das kann man nicht wiedergeben, das muss man erleben. Deswegen hülle ich den Mantel des Schweigens darüber.

Am Sonntag dann ein letzter Aufgalopp:

Erwin „Schiefer“ Schraml zeigte, wie er in Ägypten sagenhaft farbenfrohe Fische fing, es handelte sich um erneute Wiedereinführung des Pseudocrenilabrus multicolor seit dem Jahr 1902. Die Art ist ja ein Klassiker und – so glaube ich – zwischenzeitlich nie mehr importiert worden [Anmerkung des Redakteurs: Jörg Freyhof hat zwischenzeitlich – 1989 – Tiere importiert, von denen aber seitdem niemand mehr gehört hat].

Eckhard Fischer ermöglichte uns den Einblick in eine Wasserpflanzengärtnerei auf Teneriffa. Es war interessant, zu erfahren, wie ein solcher Betrieb strukturiert ist und mit welchen Methoden dort Wasserpflanzen gezüchtet werden.

Die AG L-Welse wird in Kürze auf der Website der IG BSSW ausführlich präsent sein. Andreas Tanke machte uns mit den Inhalten vertraut. Das wird eine informative und gut durchkonstruierte Geschichte. Kompliment! In dem Zusammenhang wies Andreas noch auf die im November stattfindenden L-Wels-Tage hin. Großer Bahnhof, informiert euch rechtzeitig, empfehle ich.

Es folgte Joachim Knaack. Er dokumentierte am Beispiel des falschen Besatzes mit Silurus glanis die verheerenden Auswirkungen auf die autochthonen Arten eines Gewässers in einem brandenburgischen Naturschutzgebiet. Weiterhin wies er auf die durch die beginnende Warmzeit bewirkten Veränderungen am Beispiel eines Gewässers hin. Eine Thematik, der man sich sicherlich demnächst sicherlich einmal gesondert widmen sollte, zumal, wenn mal einen solchen Experten in den eigenen Reihen weiß.

Es ist mittlerweile bekannt, dass sich unser Ingo seit einiger Zeit den Schmerlen der Gattung Sewellia verschrieben hat: Er konnte Neues von seinen Erfolgen mitteilen, insbesondere, was die Vermehrung neuer Arten anbelangt. Nach allem, was man hört, klappt diese recht gut, was uns alle sehr freut, denn wir profitieren ja schließlich auch davon.

Nach der großen Verabschiedung machen wir uns auf in die Heimat, bis oben hin voll mit interessanten Fakten, in Erinnerung an nette Gespräche und humorvolle Geselligkeit.

Es war wieder einmal absolut toll! Natürlich zähle ich von jetzt an wieder rückwärts: Bis zum nächsten Treffen der Mecklenburger Welsfreunde in Negast.

(Der Kommentar meiner lieben Frau, als ich zu Hause anlangte: „Wie siehst DU DENN aus?“)

In diesem Sinne,

Uli Macholdt

5 Gedanken zu “RG Mecklenburg: Welstreffen Negast 2009

  1. Uwe

    Hallo zusammen,
    es kann eben nicht jeder, einen so tollen Bericht zu schreiben, Klasse Uli. Den Dank an Peter für seinen Organisationsaufwand und seine Mühe möchte ich von meiner Seite ganz dick unterstreichen. Meine geschenkten und getauschten Fische sind inzwischen alle wohlauf in die Anlage integriert, dafür dem Spenderzüchter herzlichen Dank.
    uwe

  2. Andreas Tanke

    Hi Uli,
    ich muss auch sagen: toller Bericht! Danke dafür schon einmal.

    Ebenso gebührt natürlich unserem unermüdlichen Peter Debold Dank, wie er diese Veranstaltung mit Ruhe und Souveränität organisiert hat, obwohl er aufgrund dem jährlichen Zimmerproblematik wohl einigen Gegenwind hatte – Respekt Peter!

    Ich hoffe das nächste Jahr wird wieder genauso toll.

    LG Andreas

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