Pflege und Zucht von Corydoras napoensis

von Yann FULLIQUET, Lausanne, Schweiz – übersetzung Stephan M. TANNER – erschienen im BSSW Report 3-2004

Diese Corydoras begegneten mir etwas unerwartet, als ich beim Besuch eines Zoogeschäftes eine Gruppe sehr junger Corydoras in einem Becken schwimmen sah. Sie waren 1,5 cm lang und erinnerten etwas an Corydoras pigmaeus, sowohl in Farbe wie auch Grösse, aber die Körperform war eindeutig unterschiedlich. Auf Anfrage sagte mir der Händler, es handle sich um Corydoras eques. Ich sage ihm, das kann nicht stimmen und da der Preis doch sehr fair war, nahm ich vier Exemplare mit nach Hause.

Die Tiere wurden zu einigen Otocinclus und Corydoras panda in ein 100-Liter Becken gesetzt. Sie gewöhnten sich gut ein und wuchsen stetig, bis sie ausgewachsen waren. So war ich schließlich in der Lage, sie als Corydoras napoensis zu identifizieren. Trotzdem spielte ich lange mit dem Namen Corydoras elegans, weil sich diese zwei Arten wirklich sehr ähnlich sehen. Heute kann ich aber klar sagen, dass es sich um Corydoras napoensis handelt, bedingt durch Ian FULLERS Zeichnungen von jungen Corydoras Larven in seinem schon berühmten Buch “Breeding Corydoradine Catfishes”.

Corydoras napoensis kommt im Rio Napo und Rio Aguarico in Ecuador vor, sowie im Rio Nanay in Peru und im Rio Atacuari und Rio Amazonas in Kolumbien. Es ist ein eher kleinere Corydoras Art, die etwa 5 cm im weiblichen Geschlecht erreicht; die Männchen bleiben etwas kleiner. Es gibt drei andere Arten, die sehr ähnlich aussehen, aber es gibt winzige Unterschiede, die eine Identifikation erlauben. Diese Arten sind Corydoras elegans, der häufig in Zoogeschäften zu finden ist, sowie Corydoras nanus und Corydoras pestai, die beide sehr selten anzutreffen sind.

Etwa vor einem Jahr waren meine Tiere ausgewachsen und ich wollte ihre Vermehrung versuchen. Zum Glück hatten sich aus den vier Tieren zwei Männchen und zwei Weibchen entwickelt. Ich setzte sie in ein 25-Liter Becken um, das mit feinem Sand, wenigen Anubias und einem kleinen 400 l/h Außenfilter bestückt war. Nur mit Umgebungslicht und ohne Heizung lag die Temperatur zwischen 20-23 °C. Ein Stück Treibholz und eine Bambushöhle boten zusätzliche Versteckmöglichkeiten. Das verwendete Leitungswasser hatte einen pH-Wert von 7.4, eine dGH von 12°, die dKH lag bei 8° und die Leitfähigkeit bei 300 µS/cm.

Die Fische wurden jeden Tag mit roten Mückenlarven gefüttert und das Wasser wurde jeden zweiten Tag zur Hälfte gegen leicht kühleres ausgetauscht. Nach zwei Wochen waren die Weibchen zwar fetter, aber ein Ablaichen hatte noch nicht stattgefunden. Ich versuchte dann verschiedene Varianten bei der Menge und bei der Temperatur beim Wasserwechsel, aber nicht passierte. Schließlich dachte ich, dass das Wasser vielleicht zu hart sein könnte und machte einen 50%igen Wechsel mit Revers-Osmose Wasser. Am nächsten Tag fand ich zahlreiche sehr kleine Eier in Gruppen von 10-20 unter den Anubias Blättern. Leider konnte ich das Ablaichen nicht beobachten und habe keine Ahnung wie es vonstatten ging, aber es soll sich laut Literatur in der Corydoras-üblichen T-Stellung abspielen.

Offensichtlich hatte nur das kleiner Weibchen am Ablaichen teilgenommen, das andere war immer noch voll mit Eiern. Die Adulten vergriffen sich nicht an den Eiern. Ich schnitt die Blätter ab und verbrachte sie in eine kleine Plastikschale mit Aquarienwasser. Ich gab keine Anti-Pilzmittel zu, dafür aber einen Durchlüfterstein. An einem dunklen Ort aufbewahrt, zur Pilzvorbeugung, entwickelten sich die Eier in vier Tagen. Die Jungtiere sind sehr klein, nur wenige Millimeter lang. Ich saugte sie ab und brachte sie in ein 12-Liter Aquarium, mit etwas feinem Sand, einem Tetra-Billi Filter und flachem Wasserstand. Nach zwei Tagen war der Dottersack absorbiert und Liquifry No 1 wurde als Erstfutter für die ersten vier Tage verwendet. Danach reichte ich Mikrowürmer, aber die Tiere wuchsen recht langsam, trotz täglichem Wasserwechsel und gutem Futter. Nach 14 Tagen fütterte ich auch Bodenfuttertabletten, allerdings nur ein Viertel einer Tablette, und die Reste wurden sorgfältig entfernt. Es ist wichtig, das beim Wasserwechsel nur mit gleicher Wasserqualität und -temperatur gearbeitet wird, sonst besteht die Gefahr, dass ein Teil der Brut oder die ganze verloren geht.

Leider endet diese Geschichte nicht mit einem Happy End. Vierundzwanzig Stunden nach einem Wasserwechsel begann ein Massensterben der Brut. Bis ich abends nach Hause kam, war die eine Hälfte tot und die andere schaute gar nicht gut aus! Ich machte sofort einen weiteren Wasserwechsel – da ich eine plötzliche Verschlechterung der Qualität vermutete – dachte aber nicht daran, dass es mein Leitungswasser sein könnte. Aber leider brachte das auch noch den Rest der Brut sofort um. Ich hatte kein abgestandenes Wasser vorbereitet. Normalerweise hat dies keine Folgen, aber es gibt wohl Zeiten, wenn das Leitungswasser schlechte Qualität aufweist. Entweder ist es eine Art organische Belastung oder eine große Dosis Chlor. Wie auch immer, ich habe meine Lektion gelernt und mache denselben Fehler bestimmt nicht zweimal.

Bis jetzt habe ich noch nicht versucht, sie nochmals nachzuziehen, aber ich beabsichtige es in naher Zukunft. Anstatt die Jungtiere in einem eigenen kleinen Becken aufzuziehen, würde ich jetzt einen Einhängekasten benützen in einem großen Becken. Das Wasser verdirbt nicht so schnell und damit werden die vielen Wasserwechsel vermieden. Nach meiner Erfahrung sind frisch geschlüpfte Corydoras sonst sehr hart im Nehmen und können ohne Probleme umgesetzt werden. Ich habe diese Methode mit Erfolg angewendet, sogar mit recht großen Unterschieden bei der Temperatur oder Wasserqualität. Ich habe so noch nie frisch geschlüpfte Jungtiere verloren und habe einige gängige Corydoras mit gutem Erfolg gezogen. Es ist manchmal seltsam, sich nicht auf die alten Methoden zu beschränken, die auch sonst gute Resultate brachten.

Literatur:

FULLER, Ian. Breeding Corydoradine Catfishes, 2001. Pages 125-127

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