Säbelzahnsalmler – schmackhafte Monster in Venezuelas Flüssen

von Bernd POßECKERT, Berlin – erschienen im BSSW Report 3-1999

hydrolycosManchmal hat man auch in einer Reisegruppe Glück und kann die Tour etwas den eigenen Interessen anpassen. Dieses Glück hatte ich im November 1998 bei einer Erlebnistour zum Camp Playon, am Oberlauf des Rio Caura in Venezuela. So war es kein Problem, daß ich mir während der Wanderungen einige Wildguppys fing und auch einige Schnecken sammelte. Aber auch unser Angler in der Gruppe konnte seinen Herzenswunsch erfüllen und in den reißenden Stromschnellen angeln. Was dabei zum Vorschein kam, war für uns alle recht überraschend.

Der letzte Nachmittag im Camp war eigentlich zur Erholung bzw. zum Baden gedacht, aber als ein ansässiger Indio uns anbot, mit ihm angeln zu gehen, nahmen wir dieses Angebot sofort an. Vom Camp ging es in einer recht halsbrecherischen Wanderung über Urwaldwege und veralgte und damit äußerst glatte Ufersteine flussaufwärts. An einer Stelle mit einer besonders reißenden Strömung wurden Angeln verteilt. Die Angeln bestanden allerdings nur aus einer Rolle starker Angelsehne mit einem Haken und einem Stück Köderfisch daran. Nach nur kurzer Zeit ging ein kapitales Exemplar eines Säbelzahnsalmler an den Haken und wurde vom Indio fachmännisch getötet. Es handelte sich hierbei um die größte bekannte Art der Säbelzahnsalmler, um Hydrolycus armatus. Diese Art kann durchaus einen Meter und mehr messen! Die enorm langen „Stoßzähne“ der Tiere werden im Oberkiefer in köcherartigen Lücken untergebracht, so daß die Fische ihr Maul schließen können (siehe auch den Artikel von Kai ARENDT, BSSW-Report 1/98).

hydrolycos2Die Nahrung dieser Tiere besteht ausschließlich aus Fischen, die von der Strömung mitgerissen werden und den Raubsalmlern sozusagen direkt vor das Maul geliefert werden. Das Opfer wird dabei mit einer blitzschnellen Kopfbewegung von unten nach oben von den Zähnen aufgespießt.

Anhand der Körperform und des für diese Art typischen Fundortes kann man sicherlich davon ausgehen, daß es sich um äußerst schnelle Schwimmer handelt, die zudem auch recht gut sehen müssen. Das Wasser war dort zwar sehr klar, aber in der Regenzeit wird auch recht viel Sediment mitgeführt. Außerdem wird die Sicht durch die mit der starken Strömung mitgeführten Luftblasen auch eingeschränkt. Eine einmal gepackte Beute hat bei den nadelscharfen Zähnen keine Chance, selbst bei dem toten Fisch habe ich mich bei der Porträtaufnahme noch böse gestochen. Die Wasserwerte haben wir leider nicht ermittelt, aber es ist davon auszugehen, daß es sich um extrem weiches und saures Wasser handelt.

Sicherlich ist diese Art kaum für die Aquarienhaltung geeignet, außer vielleicht in ganz jungen Exemplaren, aber interessant und beeindruckend war es schon! Übrigens landete dieses Tier abends auf dem Grill und hat ausgezeichnet geschmeckt!

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