Was ist Leporinus pictus?

von Hans-Georg Evers, Hamburg – erschienen im BSSW Report 1-2002

Leporinus pictus

Leporinus pictus

Auf einer Fischfangreise im südöstlichen Brasilien konnten Maik Beyer (Maricá bei Rio de Janeiro) und ich im November 2001 einige interessante Fische fangen. Darunter war auch ein Salmler, den ich in dieser Gegend gar nicht vermutet hatte. Wir fischten im Rio Pardo nahe der Stadt Ribeirão Preto nachts mit einem Wurfnetz, um die vielen grossen Hypostominae dieses Flusses näher kennen zu lernen. Über die Welse ist gesondert berichtet worden (EVERS & SEIDEL, im Druck), deshalb hier in Kürze nur ein kleiner Bericht über den Salmler, der mich so verwunderte. Als wir die „tarrafa“ – so nennt man die Wurfnetze in Brasilien – aus dem Wasser zogen, hatten wir auch einen gut 20 cm grossen Salmler im Netz, den ich von Körperform und Flossenzeichnung zunächst als Leporellus vittatus angesprochen hätte, wenn nicht der Körper lediglich ein breiteres Längsband und einen Rückenstreifen zeigte, sowie den schmalen Bauchstreifen des echten Leporellus vittatus vermissen liess. Die Art Leporellus vittatus (VALENCIENNES, 1850) ist aus dem Amazonas-Tiefland beschrieben und ich habe die Art schon oft in verschiedenen Gegenden am Amazonas selbst gefangen. So hatte ich Leporellus vittatus schon in Peru bei Pevas, im Rio Tefé, am mittleren Rio Negro und am Rio Araguaia (alles Brasilien) in den Netzen. Niemals überschritten selbst die grössten Exemplare die 15 Zentimetermarke und der Körper wirkte selbst bei den ganz grossen Exemplaren etwas schlanker und nicht so gedrungen wie mein Fang von Rio Pardo.

Leporinus sp.

Leporinus sp.

Rudolf Kner hatte 1858 einen Fisch aus dem Einzug des Rio Piracicaba, Ortschaft Irisanga, Bundesstaat São Paulo beschrieben, den er Leporinus pictus nannte und auf den die oben beschriebene Zeichnung zutrifft. Bei Fowler (1950) fand ich dieses Taxon als Synonym zu Leporellus vittatus aufgeführt, bei Eschmeyer et al. (1998) wird Leporinus pictus Kner 1858 als valide angegeben. Der Rio Pardo ist ein Zufluss zum Rio Piracicaba, es ist also sehr wahrscheinlich, dass mein Fisch der Art Leporinus pictus zuzuordnen ist. Ob die Art vielleicht besser in der Gattung Leporellus aufgehoben ist, wäre noch zu überprüfen. Ich weiss auch nicht, ob Leporinus die gleichen üblen Angewohnheiten hat, wie sein Vetter Leporellus vittatus aus Amazonien. Der ist nämlich ein ausgesprochener Feinschmecker und ernährt sich von den Flossen anderer Fische.

Leporinus vittatus

Leporinus vittatus

Im Rio Pardo gibt es auch noch mindestens zwei andere, ganz interessante Leporinus-Arten, die ich hier nur kurz im Bild vorstellen möchte. Mir ist die Identifizierung dieser Arten noch nicht gelungen. Die erste Art weist das übliche L. fridericii/maculatus-Muster auf, welches ich schon bei vielen Arten aus ganz Südamerika festgestellt habe. Vier grosse, kreisrunde Flecken auf den Körperseiten werden von kleineren, unregelmässigen Punkten umrahmt. Recht apart ist Zeichnung eines Leporinus (?) sp. mit Längsstreifenmuster. Besonders auffällig ist die rote Färbung am Maul, die alle von uns gefangenen Exemplare zeigten und die mich auf den Trivialnamen Lippenstift-Leporinus brachte.

Literatur

ESCHMEYER, W.N. et al., (1998): Catalog of Fishes.- California Academy of Sciences
EVERS, H.-G. & I. Seidel, im Druck: Welsatlas Band 1.- Melle
FOWLER, H.W. (1950): Os peixes de aágua doce do Brasil.- Arquivos Zool. Est. S. Paulo, Vol. 6

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