28. Tagung der IG BSSW

7. bis 9. Oktober 2016 in Herzogenaurach

Gemütliches Beisammensein

Gemütliches Beisammensein
© Daniel KONN-VETTERLEIN

Gleich zu Anfang: Währen der Tagung wurde gerätselt, wann denn nun das Jubiläum gefeiert wird. Die Gründung des VDA-Arbeitskreises/der IG war am 5. November 1988 in Gießen. Soviel dazu.

Das diesjährige Treffen fand im NOVINA Hotel in Herzogenaurach, bekannt als Sporthotel, statt. Viele Vereinsmitglieder reisten schon am Freitag an und fanden sich in gemütlicher Runde zusammen.

Der Samstag begann mit der Mitgliederversammlung, welche sogar im abgesteckten Zeitrahmen blieb und – oh Wunder – es konnte sogar ein neuer Kassierer gewählt werden. Darüber wird aber gesondert berichtet. Ebenso haben wir jetzt einen Jugend-Koordinator.

Gruppenfoto

Gruppenfoto

Nach der Mittagspause eröffnete der Leiter der Regionalgruppe Nordbayern und Veranstalter Christian BRAUN den Vortragsteil. Unser Quotenösterreicher Hannes DOPPERMANN war zusammen mit dem Aqua-Media TV „Auf der Jagd nach Fischen in Paraguay“ und berichtete darüber. Er stellte kurz das Land vor und ging dann auf sie Fangreise ein. Ausgangspunkt war eine Farm bei Concepción. Von dort sollte eine dreiwöchige Fahrt mit dem Boot auf dem Rio Paraguay durchgeführt werden. Aber nach einer Woche wurde die Schiffsschraube beschädigt und die Fahrt musste abgebrochen werden. Im Fluss wurden Crenicichla, Apistogramma borelli, die verschiedensten Salmlerarten, Hypostomus und andere gefunden. Viele Fische wurden unter Eichhornia gefangen. Nach dem Unfall wurde die Reiseroute geändert und mit Bus und Pick-up fuhr man zum Rio Tagatyja. Dort wurden viele Salmler wie Piranihas und Blutsalmler, und Jungfische führende Crenicichla gefunden. Weiter ging es zum Ojo del Mar, einem Kratersee an der Grenze zu Mato Grosso do Sul (Brasilien). Dieser See hat einen Durchmesser von etwa 100 Metern, die Tiefe war nicht feststellbar. Die Entstehung dieses Kraters ist noch nicht erforscht – sind es Meteoriteneinschläge oder Karstauswaschungen? Dort wurden Sonnensalmler (Aphyocharax paraguayensis), Streifenbuntbarsche (Cichlasoma dimmerus) und Spritzsalmler (Copella arnoldi) gefunden. Auf umgestürzten Bäumen waren unter Wasser viele Pflanzen aufgewachsen, in welche sich die Fische zurückziehen konnten. Weiter ging es zur Estanzia Alvin, ebenfalls an der Grenze zu Brasilien. Dort fliest ein Klarwasserfluss. Es wurden große Bodensalmler, und Ancistrus sp. „Rio Paraguay“ (Rotpunktancistrus) gefunden. Von dort fuhr die Gruppe zum Rio Ypane, einem Weißwasserfluss. Dort wurden neben Krabben Messerfische, Metallpanzerwelse (Corydoras aeneus) welche sehr grün waren, gefunden. Leider haben sie die Farbe später verloren. Weiterhin wurden Corydoras undulatus, gewellte Panzerwelse und Schwielenwelse gefunden.

Als nächster Referent durfte ich von unserer Thailandreise, allerdings dem Tagungszeitraum entsprechend gekürzt, berichten. Ich sprach über „Drei Wochen Thailand – drei Regionen – drei Ziele“. Wir verbrachten die erste Woche in der Region Chiang Mai, die zweite Woche im Bereich Khao Lak und die dritte Woche dann im Großbereich Bangkok. In Chiang Mai machten wir als erstes einen Stadtrundgang und besuchten einige Aquaristikgeschäfte unterschiedlicher Qualität. Nachdem unser Auto eingetroffen war begaben wir uns in Richtung Myanmar. Der erste Stopp war auf dem mit 2.565 Metern höchsten Berg Thailands, dem Doi Inthanon. Dort fanden wir etliche Wildorchideen und besuchten einen europäischen Blumengarten. Dieser ist die Umrahmung von zwei Ehrenmahlen, jeweils zum 60. Geburtstag von König Bhumibol Adulyadey (1987) und Königin Sirikit (1992) errichtet. Dass dort europäische Pflanzen gedeihen ist kein Wunder, waren doch bei unserer Ankunft zwischen 8.00 Uhr und 9.00 Uhr nur 9 °C. Am Fuße des Berges ging unser Fahrer zum ersten Mal ins Wasser und fing dort bei einer Wassertemperatur von nur 16,6 °C junge Schmerlen, Schistura spilota. Weiter ging es Richtung Westen, bis wir am Mae Nam Ping anhielten. Dort fand unser Fänger Gebirgswelse, Glyptothorax dorsalis, bei einer Wassertemperatur von 24,3 °C. Übernachtet wurde in Mae Sariang. Von dort fuhren wir früh zum Grenzfluss Mae Nam Salawin, wo wir allerdings mit unseren Geräten nichts fangen konnten. Nur die Wurfnetzfischer hatten dort Erfolg und zogen etwa 30 cm große Karpfenfische an Land. Von Fischern bekamen wir einige große Welse gezeigt. Auf der Rückfahrt hielten wir am Stadtrand von Mae Sariang noch an einem Fluss an. Dort wurden bei 23,6 °C Stachelaale, Mastacembelus cf. tinwini und Schistura maepaiensis gefunden. Später besuchten wir ein Orchideenwildreservat und kamen dann an einen weiteren Fluss, den Male Thalewut. Dort fanden wir Schistura waltoni, eine nicht bestimmte Schistura und Garra sp. Damit war das Kapitel Chiang Mai aquaristisch erledigt. Wir flogen nach Phuket und fuhren von dort nach Khao Lak. Dort besuchten wir im Khao Sok Nationalpark den Wing Hin Wasserfall. Fische fanden wir in den Gestein keine, aber Cryptocoryne crispatula war reichlich vorhanden. Ein weiterer Fundort im Bereich Khao Lak war der Sai Rung-Wasserfall. Dort fanden wir Danio kerri, den Inselbärbling, Channa lucia, den Waldschlangenkopffisch, Schistura robertsi und Garnelen. Auf dem Rückweg fanden wir noch Cryptocoryne fusca. Damit war auch diese Woche vorbei. Nach Ankunft in Bangkok fuhren wir Richtung Westen, um Betta mahachaiensis zu finden. Auf diesem Weg hielten wir an einer Orchideengärtnerei und einer Kampffischzuchtfirma an. Am Biotop der Bettas angekommen, fanden wir kaum Wasser vor. Trotzdem konnten die Bettas und Trichopsis vittata, Knurrende Guramis, gefangen werden. Eine weitere Fahrt ging nach Osten. In einem Bach nahe dem Typusfundort gingen uns Betta prima, der Chantaburi-Maulbrüter und Puntius aurotaeniatus, Goldstreifenbarben, ins Netz. Weiter ging es zu einem Fundort von Betta siamorientalis, dem Schwarzen Imbellis. Weiter kamen wir an einen Wasserfall, in dessen Abflussbecken Barclaya longifolius „Grün“ und C. crispatula wuchsen. An fischen fanden wir nur eine unbekannte Puntius, welch uns unser Führer uns als P. vittatus verkaufen wollte. Der letzte Fundort dieses Tages und dieser Reise war ein Fluss bei Tha Mai. In diesem wurden Trichopsis pumila, Knurrende Zwergguramis, Boraras urophthalmoides, Längsbandzwergrasbor und Orycius minitillus, Zwergreiskärpflinge, gefunden.

Robert Budrovcan

Robert bewundert seine Panzerwelse

Robert BUDROVCAN sprach danach über „Corydoras – Pflege & Zucht von Langschnäuzern“. Er arbeitete erst die Unterschiede von Kurz- und Langschnäuzern heraus. Diese können im gleichen Biotop leben, haben aber andere Nahrungsschichten. Langschnäuzer sind u. a. C. amapaensis, C. narcissus und C. serratus. Von C. narcissus soll es zwei Arten geben. Corydoras narcissus braucht in der Pflege größere, flache Becken und mittelhartes Leitungswasser, längere Teilewasserwechselintervalle, kann mit vielen anderen Arten gehalten werden, möchte wenig Strömung und sollte weniger Frost- und Lebendfutter-, dafür mehr Trockenfutter bekommen. Für die Zucht sind kleinere höhere Becken (80x50x35) angebracht. Es muss aufbereitetes Wasser (<200µs) angeboten werden, die Strömung soll erhöht werden und hauptsächlich Lebend- und Frostfutter gereicht werden. Sie sollten in kleinen Gruppen oder paarweise angesetzt werden. Die Wasserwerte sollten knapp in Richtung Schwarzwasser tentieren. Die Eier sind sehr klein, werden einzeln versteckt abgelegt und sollten abgelesen werden, da sie gefressen werden. Corydoras serratus sind territoriale Einzelgänger und in der Pflege empfindlich. Alles andere, was zur Pflege von C. narcissus gesagt wurde, trifft hier ebenfalls zu. Auch die Angaben zur Zucht stimmen überein. Im Unterschied zur vorgenannten Art soll der Boden mit viel Laub bedeckt werden. Gefressen werden die Eier nicht, die Larven und Jungtiere wachsen mit den Eltern auf.

Das neue BSSW-Shirt

Einer der Tombola-Preise: Das neue BSSW-Shirt

Ernst SCHMIDT beschloss den Vortragsnachmittag mit der „Zucht von Salmlern“. Er berichtete über die Haltung und Zucht der verschiedensten Salmler wie Hemigrammus erythrozonus dem Glühlichtsalmler, Hyphessobrycon megalopterus, dem schwarzen Phantomsalmler, Paracheirodon innesi, Rote Neons und einen Weißspitzenschmucksalmler. Er hält all diese Arten bei max. 24 °C, pH 6,5 – 7,5. Er setzt die Fische paarweise an, ohne sie vorher zu trennen. Die roten Neon setzt er beispielsweise bei pH 4,5 und >26 °C an. Nach dem Rausfangen der Eltern wird das Aquarium abgedunkelt. Je nach Art werden die Larven bzw. Jungfische in ein größeres Aquarium umgeschüttet, aber so, dass die am Boden abgesetzten Bakterien und Infusorien zurück bleiben. Nach fünf bis sechs Tagen werden die Jungfische erstmals im abgedunkelten Becken gefüttert.

Nach diesem letzten Vortrag wurden die reichhaltigen Tombolagewinne ausgegeben und es wurde zum gemütlichen Teil übergegangen.

Amazon Aquatics

Bei Amazon Aquatics

Für Sonntag war ein „Tag der offenen Tür“ bei Amazon Aquatics in Rednitzhembach mit typischen bayrischen Weißwurstessen und Vorträge angekündigt. „Endlich“ gibt es mal was Negatives zu berichten. Der Zeitplan wurde leider überhaupt nicht eingehalten.
Endlich bei Amazon Aquatics angekommen, wurde zuerst einmal die Verkaufsanlage besucht. Wie der Namen schon sagt, Salmler und viele Welse. Alles sehr sauber und übersichtlich!

Der neue Vorstand

Der neue Vorstand bei Amazon Aquatics

Der letzte Vortrag war angekündigt als „Überraschungsvortrag“ und fand im Keller der Familie Gleißner bei Amazon Aquatics statt. Zwischen Aquarienregalen und vielen Harnischwelsen ging es dann auch um eben jene Fische. Daniel KONN-VETTERLEIN präsentierte einen Vortrag, in dem er sich drei aktuellen „Geschichten aus der Welswelt“ widmete. Zuerst behandelte er die Variabilität in Farbe und Zeichnung der Art Baryancistrus xanthellus. Anlass hierfür ist die Entdeckung eines neuen, einheitlich anthrazitfarbigen Welses, der auf genetischer Basis mit dem bekannten „Golden Nugget“ identisch zu sein scheint, aber optisch absolut nicht dem gewohnten Habitus entspricht. Im zweiten Teil stellte Daniel einige neue L-Nummern, mit besonderem Augenmerk auf die Hypancistrus der nördlichen Amazonaszuflüsse Rio Uatuma und Rio Nhamundá, vor. Der dritte und letzte Teil widmete sich den aktuellen Restriktionen aus Brasilien: Die veröffentlichte und nur kurz darauf zurückgezogene aktualisierte Rote Liste, die viele beliebte Harnischwelse, vor allem aus dem Rio Tapajós, beinhaltet und schon im Sommer für viel Verwirrung unter Händlern gesorgt hat. Auf Drängen der brasilianischen Exporteure wurde die Liste zurückgezogen, aber wir können uns wohl darauf einstellen, dass trotzdem viele der einst gelisteten Harnischwelse wieder verboten werden könnten.

Bis auf den Zeitausrutscher am Sonntag war es eine sehr gute und harmonische Mitgliederversammlung und Tagung. Es wurde damit bestimmt Werbung für weiter Besuche solcher Tagungen gemacht.


Text und Bilder: Hans-Jürgen ENDE

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