Canthophrys gongota (HAMILTON, 1822)

Vor kurzem erhielt ich von unserem Vorsitzenden Bilder der Schmerle Canthophrys gongota (syn. Somileptes), die er beim englischen Importeur Pier Aquatics gemacht hatte.

Die monotypische Gattung Canthophrys hat ein weites Verbreitungsgebiet am Südrand des Himalayas und kommt in den Staatsgebieten von Indien, Bangladesh und Nepal vor. Die Tiere sind Bewohner langsam fliessender, kleinerer Flüsse und Bäche und leben über sandig-schlammigem Grund bei kühleren Temperaturen. Sie werden nur selten importiert. Die größten beschriebenen Tiere sind um die 13 cm lang.

Nach übereinstimmenden Berichten sind Canthophrys interessante, aber doch sehr anspruchsvolle und spezielle Pfleglinge. Ähnlich wie die Rüsselschmerlen der Gattungen Acantopsis und Acanthopsoides ernähren sie sich durch das Durchkauen des Bodengrundes. Im Vergleich zu diesen beiden Gattungen scheinen sie jedoch noch spezialisierter zu sein, und halten sich mehr im als auf dem Bodengrund auf. Nach Literaturangaben sind sie sogar dämmerungs- bzw. nachtaktiv. Sie fressen wohl auch sehr langsam, so daß die ausreichende Ernährung vermutlich der Knackpunkt bei der Pflege ist. Zusammen mit zu hohen Hälterungstemperaturen führt dies dazu, daß die Tiere schnell abmagern und beim Import wohl auch höhere Verluste auftreten.
Untereinander scheinen die Tiere sehr friedlich zu sein. Bei der Auswahl der Beifische sollte man darauf achten, daß diese auf keinen Fall Nahrungskonkurrenten der Canthophrys darstellen. Man sollte sich daher auf oberflächenorientierte kleine Fische beschränken, die auch kühlere Temperaturen vertragen, z. B. Kardinalsfische, Dadyburjors Kielbauchbärbling oder auch Zwergfadenfische.

Die größten bekannten Tiere von Canthophrys sind zwar ca. 13 cm lang gewesen, da die Tiere aber nicht sehr schwimmaktiv sind und um eine bessere Kontrolle der Nahrungsaufnahme zu gewährleisten, ist eine Pflege in einem Becken bereits ab 80 cm sinnvoll.
Bei der Einrichtung des Beckens sollte natürlich eine große, freie Sandfläche zur Verfügung stehen, in der sich die Tiere aufhalten und ernähren können. Für die Bepflanzung empfehlen sich v.a. Schwimmpflanzen, die den Schmerlen evtl. etwas die Scheu nehmen. Stark ausläuferbildende Cryprocorynen würden dagegen den Lebensraum der Sandfläche einengen. Generell sollte man sich bei der Wahl des Beckens klar sein, daß ein späteres Umsetzen wohl nicht ohne eine komplette Beckenentleerung zu machen ist.

Die wenigen Angaben zur Herkunft und die wenigen veröffentlichten Pflegeberichte lassen den Rückschluß zu, daß die Tiere für ihr Wohlbefinden eher kühlere Temperaturen benötigen, also 18-22°C. Bei der Pflege sollte man von Anfang an auf Anzeichen achten, die auf eine zu hohe Temperatur hinweisen (erhöhte Atemtätigkeit, Abmagern etc.). Übereinstimmende Berichte, daß die Tiere unbedingt in weichem Wasser gepflegt werden sollten, sind ohne genaue Quellenangaben mit Skepsis zu sehen. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes in einem typischen Monsunklima mit Trocken- und Regenzeit erscheint es unwahrscheinlich, daß die Tiere unbedingt spezielle Wasserwerte benötigen.

Die Ernährung ist, wie gesagt vermutlich der Knackpunkt der Pflege, bei Pier Aquatics bekommen sie viel Tubifex, also ein sehr gehaltvolles Futter. Lt. amerikanischen Aquarianern fressen sie außerdem gerne Glanzwürmer (Lumbriculus variegatus) und nach Gewöhnung auch Flockenfutter.

Alles in allem handelt es sich bei Canthophrys gongota nicht um einen „typischen Aquarienfisch“ (wie immer man das auch definieren mag). Die Art gehört in die Hände von Aquarianern, die bereit und von den räumlichen Möglichkeiten her in der Lage sind, den speziellen Ansprüchen dieser Tierart gerecht zu werden. Es gibt wohl nur wenige Aquarianer, die diese Fische über einen längeren Zeitraum erfolgreich gepflegt haben, zur Fortpflanzung ist, wenig überraschend, ebenfalls nichts bekannt.
BSSW-Mitglieder, die eigene Erfahrungen mit dieser Art haben, sind jederzeit eingeladen, diese z. B. in Form eines Artikels im BSSW-Report für andere verfügbar zu machen.

Literatur: Ott, G., 2017. Schmerlen (Biologie, Pflege, Vermehrung). Tetra Verlag, Berlin, Germany.

Text: Hans BEIDERBECK – Bilder: Daniel KONN-VETTERLEIN

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