Erste Erfahrungen mit Pangio alcoides

von Hans Beiderbeck, Sandhausen – erschienen im BSSW Report 2-2002

Pangio alcoides

Pangio alcoides

Zusätzlich zu den „normalen“, gestreiften Dornaugen aus dem Formenkreis um Pangio kuhlii werden hin und wieder auch einfarbige Dornaugen importiert. Aus einem grösseren Schwung von P. kuhlii konnte ich vor einiger Zeit zwei Schmerlen herausfangen, die sich deutlich von den mir bekannten Dornaugen unterschieden. Während die mir bisher bekannten einfarbigen Dornaugen meist einfarbig braun oder zimtfarben waren, ist bei diesen Tieren die Färbung zwischen oberer und unterer Körperhälfte geteilt. Während die obere Körperhälfte graubraun bis stimmungs- und umgebungsabhängig fast schwarz sein kann, ist die untere Körperhälfte farblos. In der deutschsprachigen Literatur wird ein so gefärbtes Dornauge bereits einmal erwähnt und abgebildet (Berlinghof 1992).

Auch in den USA scheinen solche Dornaugen schon aufgetaucht zu sein; so zeigt die Webseite Loaches-OnLine ein so gefärbtes Tier als P. pangia/oblonga. Unabhängig von der Frage, ob die beiden Arten wirklich synonymisiert werden können, ist dies vermutlich falsch, da es sich bei den Taxa P. pangia und P. oblonga um einfarbig braune Arten handelt (Kottelat & Lim 1993, Menon 1993). Nach Kottelat gibt es zumindest unter den Dornaugen der malayischen Halbinsel nur eine Art, die eine solche Färbung hat, nämlich P. alcoides (Kottelat & Lim 1993). Der Artname bezieht sich auf die Färbung des Alks (Alca torda), eines pinguinähnlichen Vogels, der auf der Nordhalbkugel der Erde vorkommt. Kottelat & Lim beschreiben die Rückenfärbung der konservierten Tiere als fast durchgängig schwarz, erwähnen aber, dass die lebenden Tiere einfarbig grau aussehen.

Bei der Pflege meiner Tiere habe ich bisher keine grossen Überraschungen erlebt. Es werden sämtliche Futtersorten, die klein genug sind, gefressen. Ähnlich wie bei den gestreiften Dornaugen zeigt eines der beiden Tiere einen starken Laichansatz, so dass ich davon ausgehe, ein Pärchen zu besitzen. Leider ist es bisher noch nicht zu einem Ablaichen gekommen. Im Vergleich zu den gestreiften Dornaugen im selben Aquarium ist das männliche Tier wesentlich weniger scheu, während das Weibchen manchmal wochenlang gar nicht zu sehen ist. Sie scheinen insgesamt mehr bodengebunden zu leben als die gestreiften Dornaugen, die ausserhalb der Fütterungen am liebsten in einigem Abstand vom Boden zwischen den Pflanzen hängen. Es scheint, dass die Tiere eine deutlich geringere Endgrösse erreichen als die gestreiften Dornaugen. Meine etwa 5 bis 6 cm grossen Tiere pflege ich jetzt ein knappes Jahr und sie sind nicht merklich gewachsen. Auch das bereits aus der Literatur bekannte Exemplar ist nach mehreren Jahren Pflege nicht über diese Grösse hinaus gewachsen, wie mir H. Berlinghof persönlich mitteilte. Somit stellen diese Dornaugen gute Bodenbewohner für kleine und kleinste Becken dar. Abschliessend möchte ich Herrn Dave Rinaldo für die zur Verfügung gestellten Photos danken.

Literatur

BERLINGHOF, H. (1992): Pangio anguillaris oder Pangio cf. anguillaris? DATZ. 45(2):82-85
KOTTELAT, M. und K.K.P. LIM (1993): A Review of the Eel-Loaches of the Genus Pangio (Teleostei: Cobitidae) from the Malay Peninsula, with Description of six New Species. Raffles Bull. Zool. 41(2):203-249
MENON, A.G.K. (1992): The Fauna of India and the Adjacent Countries, Pisces Vol. IV, Teleostei-Cobitoidea, Part 2 Cobitidae. Zoological Survey of India, Calcutta

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