RG Fulda: Weihnachtsfeier

Am 29. November 2025 fand die diesjährige Weihnachtsfeier der BSSW-Regionalgruppe Fulda statt. In festlicher Atmosphäre trafen sich 31 Mitglieder und Interessierte, um das Vereinsjahr gemeinsam ausklingen zu lassen.

Neben dem gemütlichen Teil erwartete die Gäste ein fachlich besonders spannender Vortrag von Clarissa Rosenbeck, die durch ihre langjährige Erfahrung in der Wirbellosenhaltung als ausgewiesene Expertin gilt.

Zu Beginn gab Rosenbeck einen umfassenden Einblick in die erstaunliche Vielfalt der im Aquarium gepflegten Süßwasserkrebse. Weltweit existieren über 600 Arten, von denen zahlreiche im Hobby etabliert sind. Besonders hervorgehoben wurden:

  • Cherax-Arten aus Australien und Papua-Neuguinea – farbenprächtig, großwüchsig und vergleichsweise friedlich.
  • Cambaridae aus Nordamerika – darunter der bekannte Signalkrebs; oft robust, aber teils sehr territorial.
  • Procambarus-Arten, z. B. der Marmorkrebs, der sich parthenogen vermehrt und entsprechend schnell ausbreiten kann.
  • Europäische Arten wie Edel- oder Steinkrebse, die aber nicht für die Aquarienhaltung geeignet und gesetzlich geschützt sind.

Die Referentin betonte, dass sich die Arten hinsichtlich Größe, Verhalten, Temperaturansprüchen und Sozialstruktur deutlich unterscheiden können.

Im nächsten Teil ging Clarissa darauf ein, wie Halter zwischen ähnlichen Arten sicher unterscheiden können – eine Frage, die für verantwortungsvolle Haltung und Zucht essenziell ist. Zu den wichtigsten Merkmalen zählen:


  • Scherenform und -größe: Manche Arten besitzen extrem ausgeprägte Scheren, andere feinere Werkzeuge.
  • Färbung und Musterung, die allerdings je nach Häutung variieren kann.
  • Rostrumform (Ausziehung zwischen den Augen), oftmals ein sehr zuverlässiges Bestimmungsmerkmal.
  • Proportionen von Carapax, Abdomen und Gliedmaßen, die bei Kennern einen klaren Hinweis auf die Art geben.
  • Geschlechtsmerkmale, wichtig insbesondere bei der Unterscheidung nah verwandter Arten.


Anhand von Beispielbildern zeigte sie anschaulich, wie sich die Merkmale praktisch anwenden lassen.


Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Krebspest (Aphanomyces astaci), ein Pilzerreger, der für europäische Flusskrebse tödlich ist.

  • Der Erreger wurde durch nordamerikanische Arten nach Europa eingeschleppt.
  • Betroffene Tiere sterben meist innerhalb weniger Tage.
  • Viele amerikanische Arten tragen den Erreger oft symptomlos in sich.
  • Eine Ausbreitung in heimischen Gewässern hat verheerende Folgen für die Ökosysteme.


Clarissa betonte, wie wichtig es sei, niemals Aquarientiere oder Wasser in die Natur zu entlassen und sich strikt an geltende Schutz- und Haltungsauflagen zu halten. Eine verantwortungsvolle Aquaristik kann dazu beitragen, die heimischen Bestände nicht zu gefährden.

Im abschließenden Themenblock präsentierte Clarissa praxisnahe Tipps zur artgerechten Einrichtung von Krebsbecken:

  • Struktur & Verstecke: Steine, Röhren, Wurzeln und Laub bieten Schutz und reduzieren Stress.
  • Substrat: Je nach Art bevorzugen Krebse Sand, Grobkies oder grabfähigen Boden.
  • Beckenhöhe und Grundfläche: Krebsen ist die Grundfläche wichtiger als die Höhe; ausreichend Platz beugt Revierkämpfen vor.
  • Sichere Einrichtung: Standfestigkeit ist entscheidend, da Krebse gerne graben und Gegenstände verschieben.
  • Wasserqualität: Stabile Werte, guter Sauerstoffgehalt und regelmäßige Wartung sind Pflicht.
  • Artverträglichkeit: Viele Krebse sind territorial oder räuberisch – die Besatzplanung muss sorgfältig erfolgen.

Fazit
Der Vortrag von Clarissa Rosenbeck war ein Highlight der diesjährigen Weihnachtsfeier. Die Mischung aus Fachwissen, Praxisbeispielen und lebendiger Präsentation sorgte für begeisterte Resonanz. Die Teilnehmenden nahmen nicht nur neues Wissen über die faszinierende Welt der Süßwasserkrebse mit nach Hause, sondern auch das Gefühl eines gelungenen gemeinschaftlichen Jahresabschlusses.

Text und Fotos: André Grünwald