Weit über 30 Fischfreunde trafen sich in der Sportgaststätte SC04 Schwabach bei gutem Essen und Trinken zum gemütlichen Plaudern. Höhepunkt der Vortag über die L400 Fineliner- Zucht Teil2. Teil 1 wurde im BSSW-Report 03 2021 veröffentlicht.
Thema vom Vortag: „Verschiedene Wege führen zum Ziel – Fineliner Teil 2“ von und mit Frank Rehders.
Der Vortag ist die Fortsetzung eines früheren Berichtes von Frank mit dem Thema „L400 Ergebnisse einer Linienzucht“, Untertitel: „Die Verwandlung von einer grauen Maus zum schönen Wels“.
Der „L400“ gehört zur Gattung Hypancistrus und stammt aus dem Rio Xingu bei Belo Monte. Sein Trivialname „Großer Ozelot“ deutet schon auf seine extrem variable Musterung hin. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal zu anderen Arten ist jedoch die deutlich gegabelte Schwanzflosse. Es gibt auch noch den „Kleinen Ozelot“ („L174“), der wie der L400 die gleiche extrem variable Musterung aufweist.
Seit über 20 Jahren selektiert Frank seine Tiere und hat bereits wunderschöne schwarz/weiß gebänderte Tiere gezüchtet. Aber nach wie vor bleibt sein Ziel der Fineliner mit viel weiß und dünnen schwarzen Linien. Aber damals ging die Zucht mit dem Fineliner irgendwann nicht mehr weiter, die Anzahl an Jungtieren war viel zu gering.
Aber Frank machte sich an die Ursachenanalyse und vermutete zunächst den Einfluss seines Wassers. Viele Wasserwerke kämpfen mit Herbiziden und Medikamentenrückständen und setzen Polyphosphate zum Schutz der Rohrleitungen ein. Auch die sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS = Poly Fluor Alkyl Substanzen) reichern sich immer mehr in der Umwelt an, bauen sich nicht ab, somit steigen die Konzentrationen und sind giftig für Mensch und Tier. Aber Frank konnte den Wassereinfluss letztendlich durch Umseg auf Regenwasser sowie externe Wasseranalysen ausschließen. Seine nächste Vermutung war Inzucht. Seine Idee war, den Umweg über die Verpaarung von einem reinerbigen L400 Fineliner mit einem normal gefärbten L400 zu gehen.
Die Mendelschen Regeln zeigen die Theorie, aber Frank hat die Methode der spalterbigen Fineliner gestoppt, da er kaum schöne Tiere in der F2 Generaon bekommen hat.
Die nächste Idee von Frank war die Verpaarung von L400 Fineliner mit L236 weiß. Laut DNA-Analysen von Prof. Leandro Souza sind L400 und L236 genesch idensch und somit keine Hybriden. Man kann die Fische anhand der Form der Schwanzflosse unterscheiden.
Aber Frank hat noch eine weitere Idee, nämlich die Verpaarung eines L400 Fineliner mit einem L400 Albino. Beides sind reine L400 und das Albino-Gen ist rezessiv d.h. die Fineliner Zeichnung sollte gut herauskommen. Fineliner und Albino lassen sich gut unterscheiden. Wunderschönes Exemplar mit zusätzlichen Kringeln
Eine weitere Konstellation, nämlich die Kreuzung L400 Fineliner mit L400 Fineliner brachte doch noch den unerwarteten Erfolg. Damit sind keine Rückkreuzungen mehr nötig.
Vielen Dank lieber Frank für Deinen interessanten Bericht über die unermüdliche Züchterarbeit und Dein Durchhaltevermögen über diesen langen, langen Zeitraum. Einfach Hervorragend.
Da noch Vortragszeit übrig war berichtete Frank noch über die Zucht Nannostomus sp. Rio Nieva. Das Problem ist, es gibt fast keine Weibchen. Warum weiß man nicht. Gewollt?
Im Bild linke Seite das Männchen, rechts gänzlich verschieden das Weibchen. Zucht im Keilbecken Bodensubstrat 10 cm Kokosfasern, Temperatur 24-26 Grad, Schwarzwasser 30-40 μS, kein Licht, pH
5,8-6,2. Die Aufzucht bei geringer Strömung, füttern mit Pantoffelerchen, Mikrowürmchen dann Artemia sowie langsames Auärten des Wassers.
Für restliche Zeit berichte Regionalleiter Ernst Schmidt noch kurz über Haltung und Zucht von Hypancistrus L102. Wir etwas größer, es gibt 2 Arten schlicht braun und schwarz mit Punkten, benögt viele vorsichge Wasserwechsel mit Regenwasser oder Osmose. Opmale PH-Werte 5,9 – 6,5, Zuchttemperatur 29 – 30 Grad. Ernst erklärte und zeigte den Unterschied zwischen Männchen und Weibchen (Bestachelung an den Bruslossen und am Schwanz). Aus seinem reichen Wissensschatz ging er noch auf den schönen Apachen-Hexenwels (Rineloricaria Melini), Bariancistrus, Farowella und die Trugdornwelse (Schlafwelse) ein. Teilweise sind bei den Hexenwelsen extreme PH- Werte erforderlich und bei den Schlafwelsen hat er mit geschälten Artemia-Eiern gute Erfahrungen gemacht. Ein sehr gelungener Abend der viel Freude gemacht und viel Wissen vermittelt hat.
Vielen Dank
Text: Dieter Koch