Panzerwelse

Panzerwelstreffen in Süddeutschland

überarbeitet Ingo SEIDEL, Seefeld

Aus einer Idee entstanden, kam es letztes Jahr im März zum ersten Panzerwelstreffen. Etwa 15 Personen nahmen seinerzeit daran teil und schon damals konnte man spüren, dass es ein weiteres Treffen geben würde. Und so kam es schließlich auch.Am 8. März 2014 trafen sich wieder Panzerwelsfreaks in Neumarkt. Nur waren es dieses Mal schon 30 interessierte Aquarianer, die zum größten Teil aus Bayern kamen. Aber auch Gäste aus Hessen, Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein reisten an! Aus Österreich gab es „Wiederholungstäter“, wie auch im letzten Jahr besuchten einige Aquarianer das Treffen in der Oberpfalz.

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Neuer Panzerwels beschrieben – Corydoras urucu

von Markus Hufgard, Hösbach-Rottenberg – erhalten am 05.01.2010

Der brasilianische Ichthyologe Marcelo BRITTO und seine Mannschaft sind immer wieder für Überraschungen gut. So konnte er auch dieses Mal einen neuen, in der Aquaristik vollkommen unbekannten Panzerwels beschreiben.

Die neue Art, die den Namen Corydoras Urucu trägt, kommt aus dem gleichnamigen Fluss Rio Urucu. Er ist im brasilianischen Bundesstaat Amazonas ein südlicher Zufluss des Rio Solimoes (Oberer Amazonas), der bei Coari in diesen mündet.

Corydoras Urucu ähnelt sehr stark an den uns wohl bekannten Corydoras arcuatus. Der Unterschied in der Zeichnung liegt darin, dass das Längsband gegenüber Corydoras arcuatus schon oberhalb des Auges endet. Ebenso ist dieses Tier wesentlich langgestreckter und besitzt ein runderes Schnauzenprofil. Weiterlesen

Zum Artstatus von Corydoras „venezuelanus“

von Hans-Georg EVERS, Hamburg – erschienen im BSSW Report 1-2009

Abstract: The taxon is actually not accepted by the authors of leading german literature. Before using the name, the Corydoras aeneus-complex should be completely revised. It is not known why this species is actually named C. venezuelanus. Specimens were imported in 1992 as C. sp. „Venezuela“. A comparison to the type material of C. venezuelanus Ihering, 1911 was never done.

dultes Exemplar einer in der IG BSSW als Corydoras aeneus bezeichneten Corydoras-Form. Die Elterntiere des abgebildeten Tieres wurden von Armin Senger vor wenigen Jahren von der Insel Trinidad, dem Typusfundort von Corydoras aeneus importiert. Abbildung Stefan K. Hetz, Berlin

Adultes Exemplar einer in der IG BSSW als Corydoras aeneus bezeichneten Corydoras-Form. Die Elterntiere des abgebildeten Tieres wurden von Armin SENGER vor wenigen Jahren von der Insel Trinidad, dem Typusfundort von Corydoras aeneus importiert. Abbildung Stefan K. HETZ, Berlin

Das Taxon Corydoras venezuelanus Ihering, 1911 wurde vor langer Zeit von ISBRÜCKER und NIJSSEN mit der Begründung aufgehoben, dass die Typen keine äußeren Unterschiede zum älteren Taxon C. aeneus aufwiesen und erst durch eine gründliche Untersuchung des gesamten Artkomplexes um C. aeneus und vergleichende Untersuchungen der gesamten Topotypenpalette dieses Phänotyps eine vernünftige Aussage über unterschiedliche Artzugehörigkeiten möglich und sinnvoll sei. Sie argumentierten – und das halte ich für sinnvoll – dass es besser sei, eine Art zu lumpen und nur von einem „Corydoras-aeneus-Komplex“ zu sprechen, als viele Artnamen ohne vernünftige Abgrenzung zueinander stehen zu lassen. Eine Untersuchung des gesamten Typenmaterials der Arten um C. aeneus hat es bis heute nicht gegeben.

ISBRÜCKER hat jedoch im Appendix des Fullerschen Buches über die Zucht der Corydoradinae – ein denkbar ungeeigneter Platz für taxonomische Aussagen – einfach und ohne Begründung alle(!) bis dato existierenden Synonyme aufgehoben. In Venezuela gibt es mindestens zwei Phänotypen, eine sehr ähnliche Art zu C. aeneus sensu lato und eben unsere Orangeköpfchen, die SEIDEL und ich bereits 1992 aus den Llanos von Venezuela mitbrachten, und die seitdem gern und häufig gezüchtet werden.

Dieser Typus wird nun von verschiedenen Leuten immer wieder als C. venezuelanus angesprochen. Warum diese das tun, weiß ich nicht. Ich kenne zudem keine wissenschaftliche Arbeit, die das Typenmaterial zeigt und mit den uns bekannten venezolanischen Formen vergleicht.

Allein aufgrund des genannten ISBRÜCKER-Appendix bei FULLER werden auch C. pestai und andere immer wieder hochgeholt. Ohne vernünftige Begründung oder ohne selbst die jeweiligen Topotypen durch Eigenaufsammlung nachgewiesen zu haben. Aus diesem Grund – den wir übrigens auch genannt haben – haben wir bei FULLER & EVERS 2005 auf eine Revalidisierung all jener Namen verzichtet, die ISBRÜCKER etwas leichtfertig, somit auch seine eigene vorangegangene Arbeit sabotierend, verwendet hat.

Literatur:

FULLER, Ian (2001) Breeding Corydoradine Catfish

FULLER Ian, EVERS Hans-Georg (2005) Identifying Corydoradinae Catfish. Frankfurt

Corydoras cf. venezuelanus

von Christina-Johanne SCHRÖDER, Berne – erschienen im BSSW Report 1-2009

Abstract: Corydoras cf. venezuelanus is a species originally imported from Venezuela. It is closely related to C. aeneus and quite easy to breed. Sometimes a spawning stimulus is required, for example adding some leaves and fresh, cool water. The juveniles are fed with small live food and sturgeon dry food. Fungi growth can be inhibited by a brew of alder cones or leaves of the beach almond.

Ein ungefähr fünf Monate altes Tier von Corydoras cf. venezuelanus im Aquarium der Verfasserin

Ein ungefähr fünf Monate altes Tier von Corydoras cf. venezuelanus im Aquarium der Verfasserin

Zu diesem attraktiv blau-rötlich gefärbten Corydoras kam ich zufällig. Unser Aquarienkumpel Jörn CARSTENS bat meinen Freund Markus SCHULZ und mich, einige Monate seine Fische zu übernehmen. Die Möglichkeit, mehrere Panzerwels-Arten für einen begrenzten Zeitraum zu pflegen, konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

In die Corydoras cf. venezuelanus verliebte ich mich sofort. Während Corydoras sp. C 65, Corydoras sp. „Greenstripe“ und die Corydoras weitzmani sich als hartnäckige ,Unter-Wurzeln-Hocker“ entpuppten, wuselten die Corydoras cf. venezuelanus unbeeindruckt vom Umzug durch das Becken mit den Maßen 50 ∞ 50 ∞ 25 Zentimetern. Vergesellschaftet wurden sie mit den schon oben genannten Corydoras sp. „Greenstripe“.

Bei einer elektrischen Leitfähigkeit von 300 S/cm, einem pH-Wert um den Neutralpunkt und einer Temperatur um 25 °C fraßen sich die Weibchen mit einem Mix aus Lebend- und Trockenfutter rund. Zum Ablaichen konnten wir sie trotz großer Wasserwechsel vor, nach und während eines Tiefdruckgebiets anfangs nicht bewegen.

Nach einem Waldspaziergang brachte ich einige Eichenzweige mit Laub in das gut durchströmte Becken ein. Am nächsten Tag entdeckte ich circa 70 Eier, die in Trauben am Laub und an der Scheibe klebten. Nur wenige waren nicht befruchtet.

In meinem ersten Becken hatte ich Corydoras aeneus und vermehrte da auch ab und an ein paar Tiere. Von ernsthafter Panzerwelszucht hatte ich keine Ahnung. Auch mein Freund, von dem ich vermutete, dass er nach 20 Jahren Aquaristik schon einmal über den einen oder anderen Panzerwels gestolpert war, schüttelte den Kopf als ich fragte: „Was jetzt?“

Jungfische von Corydoras cf. venezuelanus ungefähr fünf Tage nach dem Schlupf. In diesem Alter schlagen sie sich schon die Bäuche mit Artemia-Nauplien voll

Jungfische von Corydoras cf. venezuelanus ungefähr fünf Tage nach dem Schlupf. In diesem Alter schlagen sie sich schon die Bäuche mit Artemia-Nauplien voll

Hervorragende Online-Betreuung erhielt ich durch Kurt MACK sowie Mathias TEUCKE. So motiviert sammelte ich die Eier ab, wechselte zwei Mal täglich das Wasser und pinselte die Plastikschale aus. Nach 36 Stunden schlüpften die ersten Larven. Morgens kanalisierte ich meine Morgenmuffeligkeit durch Wasserwechseln und Plastikschalenabpinseln, abends wurde es mein Zubettgeh-Ritual. Die eine oder andere Leiche musste ich anfangs aus den Schalen pipettieren. Nach zwei Tagen fraßen die Larven zuverlässig ihnen dargereichte Artemia-Nauplien und hier und da ein Mikrowürmchen, weitere drei bis vier Tage vergingen, bis sich die Larven pigmentierten. Zu diesem Zeitpunkt überführte ich die jungen Panzerwelse in einen Einhängekasten (bei Vielen „Gerdkasten“ genannt).

Währenddessen laichten die Elterntiere fast täglich. Meine anfängliche Unsicherheit war vergessen und ich sammelte munter Eier ab und pinselte brav die Schalen aus. Anfangs kämpfte ich mit Ausfällen und sichtlichen Verpilzungen. Der von Kurt MACK empfohlene Sud aus Erlenzäpfchen schaffte ebenso Abhilfe, wie das Einbringen eines Stückchen Seemandelbaumblatt. Anfangs fütterte ich die Jungtiere ausschließlich mit Lebendfutter, inzwischen bin ich dazu übergegangen, zusätzlich Störpellets zu füttern. Die Pellets haben die angenehme Eigenschaft, kaum zu zerfallen und lösen offensichtlich einen starken Fressreiz aus.

Durch den permanenten Wasseraustausch in den Einhängekästen wird die Wasserbelastung nicht zum Problem. Die Reste sauge ich nach einigen Stunden ab und reinige den Boden mit dem Finger oder einem Pinsel. Die jungen Corydoras wachsen durch diese Fütterung rasch und gleichmäßig.

Ein adultes Tier (rechts) und ein Jungfisch (links) im Alter von ungefähr vier Monaten

Ein adultes Tier (rechts) und ein Jungfisch (links) im Alter von ungefähr vier Monaten

Nach drei bis vier Wochen setze ich die Jungfische in ein eigenständiges Becken. Als die ersten Corydoras cf. venezuelanus zwei Zentimeter maßen, fingen sie an unförmig zu werden. Ob zu einseitige Ernährung oder schlechte Wasserhygiene die Ursache war, konnte ich nicht feststellen. Das von mir gut gemeinte Umsetzen in ein größeres Becken vertrugen einige Tiere schlecht und starben. Bei späteren Nachzuchten reagierte ich nicht spezifisch auf diese „Unförmigkeit“, die circa drei Monate nach Schlupf komplett verwachsen war.

Inzwischen bringe ich die Corydoras cf. venezuelanus alle zwei bis drei Monate ohne größere Anstrengungen gezielt zum Laichen. Als Stimulation reicht ein großer Wasserwechsel mit kühlem Regenwasser zu Beginn eines Tiefdruckgebiets. Falls es dann nicht losgeht, verändere ich die Beckeneinrichtung oder bringe neue Äste mit Laub direkt in die Strömung ein. Neben der Scheibe dient das Laub als beliebter Ablaichort. Der Laichakt kündigt sich durch aufgeregtes Auf- und Abschwimmen an der Scheibe von den sonst selten zur Oberfläche schwimmenden Tieren an.

Mein Trupp von fünfzehn Corydoras cf. venezuelanus laicht jeweils über einen Zeitraum von drei bis sieben Tagen. Je Laichakt kann ich zwischen 40 und 80 Eier absammeln.

Leider verlieren die Alttiere mit der Zeit ihre wunderschöne blau-rote Färbung und werden grau-grünlich. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem Corydoras cf. venezuelanus um einen attraktiven, einfach nachzuziehenden Panzerwels.

Panzerwelse – faszinierende Überlebenskünstler

von Christopher WÜRZ, Sengenthal-Buchberg – erschienen im BSSW Report 3-2007

report-3-2007-artikel-10Obwohl schon vor über 200 Jahren die ersten Panzerwelse gefangen wurden, blieben die meisten Arten lange Zeit verborgen. Jährlich werden einige neue Arten entdeckt. So sind diese Welse wegen ihrer relativ späten Entdeckung im Vergleich zu anderen Tierarten noch kaum erforscht. Doch in jüngster Zeit gewinnt man immer mehr Erkenntnisse über die Spezialisierung dieser faszinierenden Überlebenskünstler. In ihrer seit über 50 Millionen Jahren andauernden Evolutionsgeschichte haben sich die Panzerwelse perfekt an ihren Lebensraum angepasst. Sie haben sich fast über den gesamten südamerikanischen Kontinent ausgebreitet, wo sie die unterschiedlichsten Gewässertypen bewohnen. Vorkommen sind belegt in fast reinem Schwarzwasser (Scleromystax barbatus), Weißwasser (Corydoras similis) und Klarwasser (C. adolfoi), sowie in warmen Gewässern (C. caudimaculatus), als auch in kühlen Gebirgsbächen (C. ehrhardti), in strömungsarmen (C. gracilis) und strömungsreichen Gewässertypen (Spitzkopfpanzerwelse).

Panzerwelse besitzen einen stromlinienförmigen und seitlich leicht abgeflachten Körper, der ihnen das Schwimmen in Fließgewässern ermöglicht. Dies ist vor allem für die langschnäuzigen Panzerwelse von sehr großer Bedeutung, da sie sich – möglicherweise aufgrund ihres höheren Sauerstoffbedarfs – meist in Flussabschnitten mit hoher Fließgeschwindigkeit aufhalten. Interessanterweise unterscheidet sich das Profil der Brustflossenstacheln der meisten Spitzkopfpanzerwelse (Abb. 1) stark von dem der kurzschnäuzigen Corydoras-Arten. Die Bezahnung ist beispielsweise bei Corydoras serratus (serratus: gesägt) so stark ausgeprägt, dass dieses charakteristische Merkmal bei seiner Namensgebung berücksichtigt wurde (KLAWONN, 2007). Im Gegensatz dazu ist das Profil der Pectoralstacheln bei den meisten Kurzschnäuzern mit bloßem Auge kaum erkennbar. Möglicherweise bewirken die größeren Vertiefungen in den Brustflossenstacheln, dass der bei der Fortbewegung der Wasserwiderstand gesenkt wird, was besonders für strömungsliebende Arten dienlich wäre. Auch bei der Nahrungssuche zeigen Spitzkopfpanzerwelse einige Auffälligkeiten. Weiterlesen

Behandlung von Eiern und Jungfischen von Panzerwelsen

von Kurt MACK, Riegelsberg – erschienen im BSSW Report 1-2000

Da ich versuche, die Nachzucht meiner Panzerwelse mit möglichst geringem Ausfall zu erreichen, habe ich mir einige Gedanken darüber gemacht, wie ich eine möglichst gute Pflege der Eier bis zur ersten Nahrungsaufnahme der Jungfische in die Tat umsetzen kann.

Zunächst einmal ist es wichtig, sich ein geeignetes Behältnis zur Aufbewahrung der abgesammelten Corydoras-Eier zu suchen. Nach einigem Herumexperimentieren bin ich auf Gefrierdosen aus Polyethylen (Maße: 16x9x6 cm) gestoßen, die ich seither zu diesem Zweck benutze. In diese Dosen fülle ich temperiertes Frischwasser, bis der Wasserstand in der Dose ca. 3 cm beträgt. Unter dieses Wasser mische ich 2 Tropfen verdünnte „Mycopur“-Lösung (von sera, Stammlösung 1 T auf 1 ml). Wegen des geringen Wasserstandes kann auf eine Durchlüftung verzichtet werden. Im Folgenden werde ich eine so präparierte Dose nur noch als „Aufzuchtdose“ bezeichnen. Weiterlesen