Osteochilus vittatus (VALENCIENNES 1842)

Eine meiner Barben, die ich von Thomas TILLMANN (Hobbyzoo Duisburg) bekam, ist Osteochilus vittatus. In den ersten drei Tagen nach der Ankunft in Kiel war es mir weder möglich Fotos zu machen noch auch nur den Versuch zu unternehmen die Art zu bestimmen.Osteochilus-vittatusDas Einzelexemplar war absolut monoton, und zwar silbrig-olivgrün gefärbt, zeigte keinerlei Zeichnung und ließ nicht ein einziges Merkmal erkennen, an dem man sich hätte orientieren können. Ich beschloss daher erst die anderen Barben zu fotografieren, die sich deutlich schneller einlebten. Und so wanderte dieses Exemplar nach drei Tagen ohne Veränderung im Hälterungsbecken in das Fotobecken, bekam Zeit sich einzuleben und nach ungefähr einer Woche schwamm dann ein ganz anderer Fisch vor mir. Auf dem Schwanzstiel hatte sich ein schwarzer Fleck gebildet, alle Flossen, besonders aber die Bauchflossen, hatten einen leichten Rotschimmer bekommen und hinter dem Kiemendeckel zeichneten sich schöne blassrote Punkte ab, die von bläulich irisierenden Pünktchen umgeben waren. Von der Höhe der Bauchflossen bis in den Schwanzstiel hinein erstreckten sich zudem horizontale Reihen dunkler Flecken. Bis heute hat sich die Färbung noch weiter intensiviert. Die Grundfärbung ist jetzt insbesondere im dorsalen Bereich kräftig olivgrün, im ventralen Bereich silbrig.

Zehn sichere Synonyme gibt es aktuell von der Art, eine weitere Synonymisierung steht womöglich noch aus und ist bisher unklar. Nach KOTTELAT (1998) lebt die Art in nahezu allen Biotoptypen, ist aber hauptsächlich in Flüssen mit schwacher Strömung und schlammigem Untergrund anzutreffen. TAN et al. (2009) fingen O. vittatus ebenfalls in stehenden Gewässern mit lockerem Bodengrund auf der Insel Sumatra. Die Präferenz für weichen Bodengrund und schwache Strömung ist mit der karpfenfischtypischen und gründelnden Ernährungsweise erklärt, die ich auch an meinem Individuum beobachten kann. SOKHENG et al. (1999) beschreiben die Art als Laichwanderer, die während der Regenzeit überflutete, Areale aufsucht und dort ablaicht. Die Jungtiere wandern zügig zurück in die permanent wasserführenden Flüsse und wachsen dort weiter heran. Als Verbreitungsgebiet gelten die Einzugsgebiete des Mekong sowie des Chao Phraya, die Basins der zwei größten Flüsse Thailands. Außerdem lebt die Art im Süden Myanmars und Chinas.

In der Literatur finden sich Maximalgrößenangaben von 20 bis 32 cm, mein Individuum misst aktuell noch zehn Zentimeter und scheint eher in die Breite zuzunehmen als in die Länge. Über ein intraspezifisches Verhalten kann ich keine Aussagen treffen, und es ließen sich auch keine aquaristischen Erfahrungswerte finden. Schwierigkeiten gab es in den letzten Monaten erwartungsgemäß keine, meine Barbe lebt entspannt im Raubwelsbecken und schnappt den langsamen Höhlenhockern ihr Futter weg.

 

Literatur:

  • KOTTELAT, M., 1998. Fishes of the Nam Theun and Xe Bangfai basins, Laos, with diagnoses of twenty-two new species (Teleostei: Cyprinidae, Balitoridae, Cobitidae, Coiidae and Odontobutidae). Ichthyol. Explor. Freshwat. 9(1):1-128.
  • SOKHENG, C., C.K. CHHEA, S. VIRAVONG, K. BOUAKHAMVONGSA, U. SUNTORNRATANA, N. YOORONG, N.T. TUNG, T.Q. BAO, A.F. POULSEN and J.V. JØRGENSEN, 1999. Fish migrations and spawning habits in the Mekong mainstream: a survey using local knowledge (basin-wide). Assessment of Mekong fisheries: Fish Migrations and Spawning and the Impact of Water Management Project (AMFC). AMFP Report 2/99. Vientiane, Lao, P.D.R.
  • TAN, H.H. and M. KOTTELAT, 2009. The fishes of Batang Hari drainage, Sumatra, with descriptions of six new species. Ichthyol. Explor. Freshwat. 20(1):13-69.

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